Immer diese Zahlen. Vorsicht ist die Mutter der statistischen Porzellankiste

Am Anfang des Seminars standen Zahlen, während der letzten Wochen, in den die Arbeitsgruppen an ihren Themen gearbeitet haben, gab es gleichsam täglich neue Zahlenlieferungen und die Statistik im Allgemeinen hatte einen kurzen, aber heftigen Höhenflug auch unter Menschen, die ansonsten um Zahlen einen großen Bogen machen – wozu Studierende naturgemäß nicht gehören 😉

Aber es wurde hier in mehreren allgemeinen Beiträgen immer wieder auch darauf hingewiesen, dass man vorsichtig sein muss bei der Verwendung und vor allem der Interpretation der vielen Zahlen und vor allem der mehr oder weniger schönen Abbildungen, mit denen uns die Medien versorgen. Hier hilft die Sell’sche Devise: Erst einmal genau hinschauen, was in der Abbildung (nicht) dargestellt ist. Ein Beispiel aus der Welt der Fallzahlenentwicklung im internationalen Vergleich:

Solche Darstellungen findet man in vielen Medien. Aber dem halbwegs geübten statistischen Auge fällt natürlich sofort auf, dass hier Fallzahlen in einzelnen, allerdings völlig unterschiedlich großen Ländern miteinander in Beziehung gesetzt werden und so allein die Unterschiede in der Bevölkerungsgröße und daraus abgeleitet der Fallzahlen zu einer Verzerrung der Verläufe beitragen kann (und wird). Besser wäre so eine Darstellung:

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Es wird (wahrscheinlich) nicht wieder wie vorher – und dennoch wollen alle wieder zurück. Aus der Zwischenwelt von Vor-Corona und danach

Es ist für jeden offensichtlich – wir leben in einer ganz eigenartigen Zwischenwelt. Zwischen der uns allen so bekannten und von vielen geliebten Welt vor dem März dieses Jahres – und dem, was seither als „Corona-Krise“ höchst unvollständig tituliert wird, immer noch versehen mit der Inaussichtstellung, dass das bald vorbei sei, dass die Krise überwunden werden wird, dass es wieder ein Zurück geben wird in die alte Normalität, in der wir aufgewachsen sind und sozialisiert wurden. Und zunehmend fällt es vielen Menschen schwer in diesen sowieso grundsätzlich hektischen Zeiten noch abzuwarten, sich selbst zurückzunehmen und ein oder mehrere Gänge runterzuschauen. Das bricht sich dann immer öfter konflikthaft Bahn – in Form der bewussten Nicht-Einhaltung der Verhaltensauflagen, man denke hier an die Maskenpflicht und die Abstandsgebote. Das wird dann an der Oberfläche zu einem handfesten Problem für diejenigen, die das durchsetzen und die Verstöße verfolgen sollen, also Polizei und kommunale Ordnungsdienste. Davon werden wir noch genaueres erfahren, denn eine der Arbeitsgruppen unseres Seminars hat sich vor allem mit der Polizei in Corona-Zeiten beschäftigt.

Quelle der Abbildung: Volkart Wildermuth (2020): Aktuelle Zahlen und Entwicklungen, in: Deutschlandfunk Online, 09.07.2020

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Coronabedingte „Übersterblichkeit“ in Deutschland? Ein Update zur Entwicklung bis in den Juni 2020

Die tatsächlichen Sterbefälle sind ein „harter Indikator“ für die tödlichen Folgewirkungen einer Pandemie (aber natürlich nicht für andere mögliche Folgen, wie beispielsweise lebenslange Schäden, die auch nach einer „Genesung“ als Folgeschäden eintreten könnten). In diesem Zusammenhang wird dann immer wieder auf die sogenannte „Übersterblichkeit“ hingewiesen: Die Übersterblichkeit (“excess mortality“) ist ein Indikator für die Schwere eines Infektionsgeschehens. Sie bezeichnet die Anzahl an Todesfällen, die über einem historischen Mittel liegen. Über mehrere vergangene Jahre hinweg werden die durchschnittlichen Todesfälle pro Tag errechnet. Sterben beispielsweise durch eine heftige Grippesaison in diesem Zeitraum besonders viele Menschen, lässt sich das dort ablesen.

In diesem Blog wurde bereits über die Entwicklung der Sterbefallzahlen des Jahres 2020 berichtet: Am 31. Mai 2020 in dem Beitrag Gibt es eine „Übersterblichkeit“ aufgrund der Corona-Pandemie? Aktuelle Daten zur Entwicklung der Mortalität als Indikator für tödliche Folgen des Virus sowie am 5. Juni 2020 unter der Überschrift Ein Update zur Frage: Gibt es eine coronabedingte „Übersterblichkeit“ in Deutschland? Wie sieht die Entwicklung bis in den Juni 2020 aus?

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Erste Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Corona-Forschung: Von der Einsamkeit und einer derzeit noch (?) starken Resilienz

Ich hatte Ihnen am Anfang des Seminars einige Hinweise gegeben auf sozialwissenschaftliche Forschungsansätze, mit denen das, was wir derzeit als „Corona-Krise“ erleben, begleitend untersucht werden soll (vgl. dazu den Beitrag Die Corona-Krise diesseits und jenseits der virologischen Expertise: Ein originär sozialwissenschaftliches Thema vom 10. April 2020). Natürlich stellt sich die Frage, ob es bereits erste Erkenntnisse gibt aus den Befunden der Wissenschaftler. Schauen wir dazu beispielsweise auf die Arbeit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Deren Wissenschaftler berichten beispielsweise:

»Die Eindämmungsmaßnahmen im Zuge der Corona-Ausbreitung haben das Leben vieler Menschen in Deutschland grundlegend geändert. Welche Konsequenzen dies neben ökonomischen Folgen auch für die psychische Gesundheit der Bevölkerung hat, darüber wurde in den vergangenen Wochen viel spekuliert. Die ökonomische Unsicherheit, die Mehrbelastung durch Homeoffice oder Kinderbetreuung und die fehlenden sozialen Kontakte – all dies könnte zu einem wesentlichen Anstieg der psychischen Belastung in der deutschen Bevölkerung führen. Aktuelle Ergebnisse der SOEP-CoV-Studie zeigen nun, dass die Menschen hierzulande den ersten Monat des Lockdowns besser verkraftet haben als erwartet. Zwar steigt die subjektive Einsamkeit im Vergleich zu den Vorjahren erheblich an, andere Indikatoren für psychische Belastungen (Lebenszufriedenheit, emotionales Wohlbefinden und Depressions- und Angstsymptomatik) sind jedoch bisher unverändert. Dies deutet auf eine starke Resilienz der Bevölkerung hin.«

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Neue Terminplanung für die Präsentationen und Diskussion der Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen

Nach dem heutigen Zoom-Meeting hier nun nochmal als Zusammenfassung die Ergebnisse die Präsentationstermine betreffend:

Die Präsentation und Diskussion der Ausarbeitungen der einzelnen Arbeitsgruppen werden stattfinden am

Donnerstag, 23. Juli 2020, 09:00 – 10:30 Uhr

sowie am

Freitag, 24. Juli 2020, 10:00 – 11:30 Uhr und 11:45 – 13:15 Uhr

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Terminplanung und mehr: Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der Arbeitsgruppen

Wir stehen vor dem Zieleinlauf. Die Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen soll, wie versprochen, vor Beginn der offiziellen Prüfungsphase Anfang Juli stattfinden. Das bedeutet, wir haben noch die kommende Woche für die letzten Vorbereitungen – einschließlich einer individuellen Gruppenberatung durch den Dozenten. Mehr dazu in einer Rundmail.

Die Präsentationen und die Diskussion im Plenum werden an den folgenden drei Terminen, jeweils am Dienstag in der Zeit von 11:45 – 13:15 Uhr stattfinden: 16., 23. und 30 Juni 2020. Und hier die Zuordnung der einzelnen Themen zu den drei genannten Terminen:

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Zur Psychologie der „Corona-Typen“

Wir alle sind nicht außenstehende Beobachter dessen, was gerade hier passiert und unter dem großen, erst einmal abstrakten Begriff von der „Corona-Krise“ behandelt wird. Wir sind alle Teil davon und hinsichtlich der Frage, wie wir damit umgehen, was wir derzeit (nicht) erleben, spielt wie sonst auch der Typus eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie kennen das aus anderen Zusammenhängen, vor allem aus kritischen Lebensereignissen: Die einen reagieren eher aggressiv, andere hingegen depressiv auf eine scheinbar gleiche Situation. Je nach Typ eben. Und auch die Bewältigungsversuche in viralen Zeiten variieren in Abhängigkeit von unterschiedlichen Typen.

Das ist auch Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Forschung: »Der Psychologe Stephan Grünewald untersucht, wie die Deutschen in der Corona-Krise ticken. Er sagt: Es gibt acht verschiedene Typen«, berichtet Maria Fiedler in ihrem Artikel, der unter der bezeichnenden Überschrift „Für einige die Vorhölle, für andere ein ungestörtes Idyll“ steht. Bereits hier können wir erkennen: Das Spektrum ist ziemlich weit aufgespannt. Stephan Grünwald arbeitet seit vielen Jahren beim rheingold institut: Psychologische Markt-, Medien- und Kulturforschung, so die Selbstbeschreibung dessen, was die machen. Und das geht dann so weiter: »Seit drei Jahrzehnten entwickeln wir die tiefenpsychologische Marktforschung. Sie allein ermöglicht uns den wissenschaftlichen Blick hinter die seelischen Kulissen der Konsumenten, der Wähler, der User, der Zuschauer und liefert uns unverfälschte Einblicke für ein tiefgründiges Verstehen psychologischer Verhaltensweisen und Motive.«

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Und dann gleich ein Update zur Frage: Gibt es eine coronabedingte „Übersterblichkeit“ in Deutschland?

Im letzten Beitrag wurden hier die Daten aus der Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes präsentiert, hinsichtlich der vergleichenden Betrachtung der Sterbefallzahlen. Und nun gleich eine Aktualisierung, denn die neuesten Zahlen, die bis einschließlich der 19. Kalenderwoche reichen (also bis zum 10. Mai), zeigen eine Normalisierung der leichten Übersterblichkeit, die seitens der Statistiker für eine kurze Zeit von Ende März an in den Daten gefunden wurde:

Weitere Abbildungen und auch methodische Hinweise zu den Daten finden Sie in diesem Beitrag von mir:

➔ Stefan Sell (2020): Ein Update zur Frage: Gibt es eine coronabedingte „Übersterblichkeit“ in Deutschland?, in: Aktuelle Sozialpolitik, 05.06.2020

Gibt es eine „Übersterblichkeit“ aufgrund der Corona-Pandemie? Aktuelle Daten zur Entwicklung der Mortalität als Indikator für tödliche Folgen des Virus

Nicht wenige waren und sind völlig verunsichert angesichts stark voneinander abweichender Sterblichkeitswerte „durch Corona“ in einzelnen Ländern. Dabei sind die tatsächlichen Sterbefälle anders als die teilweise auf zahlreichen Annahmen und Schätzungen basierenden Kennzahlen ein „harter Indikator“ für die tödlichen Folgewirkungen der Pandemie (aber nicht für andere, mögliche Folgen, wie beispielsweise lebenslange Schäden, die auch nach einer „Genesung“ als Folgeschäden eintreten könnten).

Wie sieht die Entwicklung der Sterblichkeit im Vergleich aus? Gibt es eine coronabedingte Übersterblichkeit? Das Statistische Bundesamt – und auch die statistischen Ämter anderer Länder – haben zwischenzeitlich laufend aktualisierte Sonderauswertungen veröffentlichtet, die es möglich machen, einen Blick auf die tatsächliche Sterblichkeitsentwicklung zu werden. Schauen wir uns die Entwicklung für Deutschland einmal genauer an:

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Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zum Coronavirus Sars CoV-2: Von den Neuinfektionen in absoluten Zahlen bis zum Reproduktionswert R

Ich habe mir beim Robert Koch-Institut (RKI) die Originaldaten angeschaut und Ihnen die folgenden Abbildungen erstellt. Lassen Sie die mal auf sich wirken:

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