Die Ambivalenz von Pest, Pocken oder Cholera: Pandemien führen oft zu Abschottung und Polarisierung. Aber auch zur Verbesserung der sozialen Umstände

In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits einen Ausflug in die Geschichte der Seuchen und deren Auswirkungen gemacht – und erstaunlich waren die vielen Parallelen zu heute. Dieser Ansatz soll hier noch weiter verfolgt werden.

»Grenzen dicht? Rufe nach dem starken Staat? Massenhaft Verschwörungstheorien? Wenn man sich mit Historikern wie Malte Thießen über die Entwicklung der Gesellschaft in der Coronakrise unterhält, dann sagt er zwischendrin gern: „Das ist Standard.“ Oder: „Das passt ins Bild.“ Der Münsteraner Forscher wirkt, als könnte ihn derzeit wenig überraschen. Denn: Eines seiner Spezialgebiete ist die Geschichte der Gesundheit. Und er sieht viele Parallelen zwischen Corona und den Reaktionen auf frühere Pandemien.« So beginnt dieser Artikel von Maria Fiedler: Wie Pandemien die Gesellschaft verändern. Die Erkenntnisse der Medizinhistoriker lassen sich in sieben Thesen zusammenfassen:

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Pest und HIV: Aus der Geschichte in den SARS-CoV-2-Zeiten lernen?

„Wie viele schöne Frauen, wie viele anmutige Jünglinge hatten am Morgen mit ihren Verwandten, Gesellen und Freunden gespeist, um am Abend desselben Tages in der anderen Welt mit ihren Ahnen zu tafeln.“
(Giovanni Boccaccio in Decamerone, wahrscheinlich verfasst in den Jahren zwischen 1349 und 1353).

Auch wenn wir den Eindruck haben, dass das eine einzigartige Erfahrung ist, die wir in der aktuellen Corona-Pandemie machen müssen – es gab schon in der Vergangenheit immer wieder Seuchen und Pandemien.

Foto: SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2, Isolat SARS-CoV-2/Italy-INMI1). Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung (PTA). Maßstab: 100 nm. Quelle: Tobias Hoffmann, Michael Laue, Robert Koch-Institut (RKI), 2020. SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2, Isolate SARS-CoV-2/Italy-INMI1). Negative staining electron microscopy, PTA staining. Scale bar: 100 nm. Source: Tobias Hoffmann, Michael Laue, Robert Koch Institute (RKI), 2020. 

»Pandemien wie SARS-CoV-2 gab es immer wieder im Laufe der Menschheitsgeschichte. Zu den verheerendsten zählt die Pest, die im Spätmittelalter etwa ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte. Die Katastrophe hatte weitreichende Folgen für die weitere Entwicklung des Kontinentes«, so dieser Beitrag des Deutschlandfunks: Als die Pest die Welt im Würgegriff hielt. Sie können sich den auch als Podcast anhören.

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Ärger mit dem „R“-Wert? Dann glätten wir den eben

Im letzten Beitrag habe ich versucht, Sie mitzunehmen in die Tiefen und Untiefen des R-Wertes, der ja gerade in diesen Tagen wieder heftig diskutiert wird nach dem (angeblichen) Anstieg (wieder) über 1. Aber das Robert-Koch-Institut (RKI) hat eine „Lösung“ für das Problem der nicht so schönen Schwankungen unter Berücksichtigung der „magischen Grenze“ von 1, die sich auch durch viele Statements von Politikern bis hin zu der ersten Physikerin des Landes, also unserer Bundeskanzlerin, die immer wieder vor der Presse versucht hat, die Bedeutung eines R-Werts von deutlich unter 1 zu erläutern.

Und jetzt das: Alles neu macht der Mai, auch die Reproduktionszahl, an die wir uns gerade erst als Maßzahl gewöhnt hatten (vgl. dazu beispielsweise Die Zahl, auf die alle schauen). Denn das Robert Koch-Institut hat klargestellt: R ist bei der Bewertung der Ausbreitung des Virus nicht allein entscheidend. Wichtig seien auch die Zahl der Neuinfektionen im Tagesvergleich, die Zahl der positiv ausgefallenen Tests und die Auslastung des Gesundheitswesens, so der RKI-Vizepräsident Lars Schaade. Da sich das Infektionsniveau mit dem Coronavirus in Deutschland einem Plateau annähere, kann die Ansteckungsrate auch künftig um den Wert von eins liegen. Bei geringen Fallzahlen veränderten einzelne Ausbrüche wie an Schlachthöfen die Ansteckungsrate schnell. Das Institut will deshalb künftig auch eine Ansteckungsrate veröffentlichen, die einen längeren Zeitraum berücksichtigt – den sogenannten stabilen oder geglätteten R-Wert. Was ist das denn nun? Selbst das führende Fachmagazin der Virologie, also die BILD-Zeitung, scheint zu verzweifeln:

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Was ist das eigentlich mit diesem „R“? Die Reproduktionszahl und ihre (Un)Tiefen

»Das Land lockert sich – doch die Experten des Robert Koch-Instituts warnen vor einer steigenden Reproduktionsrate des Coronavirus. In den kommenden Tagen sei besondere Wachsamkeit nötig«, kann man diesem Artikel entnehmen, der am 11. Mai 2020 veröffentlicht wurde: Ansteckungsrate in Deutschland zweiten Tag in Folge über kritischem Wert. Und weiter heißt es dort:

»Ein wichtiger Faktor für das weitere deutsche Vorgehen in der Viruskrise ist die Ansteckungsrate. Der Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist diese nun am zweiten Tag in Folge wieder über den kritischen Wert von „1“ angestiegen. Das RKI teilte am Sonntagabend in seinem aktuellen Lagebericht mit, die Reproduktionsrate (R) werde aktuell auf 1,13 geschätzt, nach 1,1 am Samstag.« (Hervorhebungen nicht im Original).

In diesen Tagen taucht es überall auf, dieses „R“. Und man sollte wie auch sonst im Leben immer auf das Kleingedruckte achten, so auch auf die Formulierung „geschätzt“ in dem Zitat. Schauen wir uns das mal genauer an.

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Von solchen und anderen Zahlen. Die besondere Rolle der Statistik in der Corona-Krise. Zugleich ein Spiegelbild des Spannungsverhältnisses von Erwartungen an und der eigenen Logik der Wissenschaften

Es ist – eigentlich – noch nicht wirklich lange her, dass die Corona-Krise über uns gekommen ist. Erst ab Mitte März hat das Virus unsere Gesellschaft zumindest in der Berichterstattung vollständig infiziert. Und wahrscheinlich auch wegen der unglaublich dichten, jede Stunde des Tages beherrschenden Berichterstattung rund um dieses Thema fällt es un s gar nicht so einfach, zurückzudenken an die Tage vor einigen Wochen.

Aber eines kann man für diese Zeit sicher unzweifelhaft sagen: Wie gebannt haben alle auf Zahlengebilde und Abbildungen gestarrt, was ansonsten wenn überhaupt, dann einigen wenigen Wissenschaftlern und Fachexperten vorbehalten war (und in der „neuen“ Normalität wieder sein wird). Die tagtäglich verkündeten Fallzahlen wurden aufmerksam registriert – auch vor dem Hintergrund der Bilder, die uns zu der gleichen Zeit aus Italien erreichten, unfassbare Bilder völlig überlasteter Krankenhäuser und unzähliger Särge, die in Kirchen gestapelt oder von Militär-Lastwagen abtransportiert wurden.

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Die Corona-Krise diesseits und jenseits der virologischen Expertise: Ein originär sozialwissenschaftliches Thema

Wir leben in viralen Zeiten. In den zurückliegenden Wochen hat eine besondere Berufsgruppe eine sicher vorher für unvorstellbar gehaltene Aufmerksamkeit erfahren: die Virologen. Nicht nur in den Medien werden gefühlt alle derzeit lebenden Vertreter dieser Fachrichtung aktiviert und vor die Kamera gezogen, auch die Politik stützt sich bei der Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden (müssen), weitgehend auf die virologische Expertise. Das ist natürlich auch naheliegend in der Lage, in der wir uns befinden. Aber nicht nur die Ereignisse haben sich in den wenigen Wochen, die hinter uns liegen, überschlagen, auch die Maßnahmen, die zwischenzeitlich im wahrsten Sinne des Wortes über uns gekommen sind.

Allerdings hat das nun sicher jeder und jede mitbekommen: Diese Maßnahmen gegen eine zu schnelle Ausbreitung des Virus sind nicht nur von Bedeutung für die medizinischen und pflegerischen Versorgungskapazitäten in einem Land, sie haben auch enorme Folgewirkungen, die uns noch lange nach der Krise beschäftigen werden. Man denke hier beispielsweise an die wirtschaftliche Auswirkungen der gegenwärtigen und noch anhaltenden Stilllegung weiter Teile des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens. Oder an die Folgen für die Kita- und Schulkinder sowie deren Familien bis hin zu den immer wieder und immer öfter vorgetragenen Befürchtung, dass beispielsweise die häusliche Gewalt in manchen Familien aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote zunehmen wird. Das sind Themen, die im Mittelpunkt sozialwissenschaftlichen Denkens stehen (sollten).

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Einige Informationen zum Seminar „Angewandte Sozialwissenschaften“

Ich habe heute eine erste Rundmail verschickt an die Studierenden, die sich bis heute für den Mail-Verteiler angemeldet haben. In dieser Mail finden Sie einen Hinweis auf ein Video, in dem ich einige Informationen zum weiteren Ablauf des Seminars gebe – heute Nachmittag wäre ja die erste Präsenzveranstaltung im herkömmlichen Sinne gewesen, wenn uns nicht das Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Sollte es also noch einen oder mehrere potenzielle Teilnehmer am Seminar geben, die sich nicht zum Mailverteiler angemeldet haben, dann holen Sie das bitte jetzt nach. Ansonsten kann ich Sie nicht mit den erforderlichen Informationen und Materialien wie dem Video, die über die Blog-Beiträge hier hinausgehen, versorgen.

Seminar Angewandte Sozialwissenschaften: Allgemeine Hinweise zu einem ganz besonderen Semester und Einrichtung eines E-Mail-Verteilers

Liebe Studenten,

ab dem 30. März 2020 sollte für Sie – eigentlich – das Sommersemester 2020 mit der ersten Veranstaltung zur Angewandten Sozialwissenschaften beginnen. Aber es wird kein normales Semester geben können, sondern wir alle befinden uns im Strudel der Ereignisse rund um die Coronavirus-Krise und die Hochschulen sind vorerst bis zum 20. April hinsichtlich des normalen Lehrbetriebs vom Netz genommen. Es dürfen keine Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden. 

Wir alle arbeiten gerade intensiv daran, wie wir mit dieser für uns alle völlig neuen Situation umgehen können. Natürlich gibt es Alternativen zu dem, was man normalerweise im Rahmen eines solchen Seminars machen würde. Online-Angebote sind das Gebot der Stunde – aber sie sind schon bei den „klassischen“ Vorlesungen gar nicht so einfach und bei dem hier geplanten Seminar stellen sich noch weitere, überaus schwierige Herausforderungen. In diesem Zusammenhang ist es durchaus von Vorteil, dass ich schon seit langem für jede meiner Lehrveranstaltungen einen eigenen Blog betreibe und darüber zahlreiche ergänzende Angebote während der regulären Veranstaltungen zur Verfügung stelle. 

Ich werde mich demnächst hier wieder melden. In der Zwischenzeit möchte ich Sie bitten, den folgenden Link einmal für eine Anmeldung zu meinem Mail-Verteiler für diese Veranstaltung zu nutzen, denn ich erstelle einen solchen Verteiler für jede meiner Lehrveranstaltungen, damit ich Sie immer und zeitnah erreichen und versorgen kann:

➔ Anmeldung für den E-Mail-Verteiler für das Seminar Angewandte Sozialwissenschaften im SoSe 2020

Wichtiger Hinweis: Tragen Sie in die Betreff-Zeile im Mail-Fenster ein: Sozialwissenschaften und dann in das Text-Fenster lediglich die Mail-Adresse, die ich in den Verteiler für das Seminar „Angewandte Sozialwissenschaften“ aufnehmen soll. Bitte verwenden Sie ausschließlich Ihre Hochschule-Mailadresse, die jeder von Ihnen bekommen hat. Sie können überall auf Ihren Smartphones und Ihren Notebooks/PCs in den Mailprogrammen, die Sie nutzen, die Mails, die an diese Adressen gesendet werden, überall und zu jeder Zeit abrufen.