Wahlstatistik/Wahlforschung Bundestagswahl 2017 und Landtagswahlen 2021

Arbeitsgruppe 1: Was sagt die repräsentative Wahlstatistik sowie die Wahlforschung zur letzten Bundestagswahl (2017) sowie zu den Landtagswahlen in diesem Jahr? Welchen Stellenwert haben Alter, Geschlecht und andere Merkmale?

(05.06.2021) Sie haben in Ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema repräsentative Wahlstatistik gelernt, dass es vor allem die beiden Merkmal Geschlecht und Alters sind, die hier gut abgebildet werden.

Aber es gibt zu jeder Wahl auch immer eine Darstellung, wie Gewerkschaftsmitglieder abgestimmt haben – und damit eine Antwort auf die Frage, ob und wenn ja, welche Unterschiede hinsichtlich der Parteienpräferenz erkennbar sind. Schauen Sie sich die aktuellsten Ergebnisse einmal genauer an am Beispiel der beiden bislang letzten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die ja auch zu ihrem Themenfeld gehören – wobei darauf hinzuweisen ist, dass diese Daten auf Befragungen basieren, denn das Merkmal Gewerkschaftsmitglied wird natürlich nicht in der repräsentativen Wahlstatistik erhoben:

So haben GewerkschafterInnen gewählt: Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (15.03.2021): Am 14. März haben die WählerInnen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz neue Landesparlamente gewählt. Die Parteien der beiden MinisterpräsidentInnen – Grüne und SPD – konnten sich je als stärkste Kraft behaupten. Die einblick-Wahlgrafiken zeigen, wie GewerkschafterInnen abgestimmt haben.

Und hier die Ergebnisse für die Gewerkschafter und deren Stimmverhalten bei der Bundestagswahl 2017:
Bundestagswahl 2017: So haben GewerkschafterInnen gewählt (25.09.2017)

Alle Ausgaben dieser Analysen finden Sie auf dieser Einstiegsseite:
Analysen: Wahlverhalten von Gewerkschaftsmitgliedern: Alle einblick-Grafiken „So haben GewerkschafterInnen gewählt“ der letzten Landtags-, und Bundestags- und Europawahlen.

(27.05.2021) Ich hatte Ihnen ja schon zu den beiden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg Analysen verlinkt, die aus unterschiedlichen parteinahen Bereichen kommen. Auch die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung hat die beiden Wahlen, die ja für die Grünen eine besondere Bedeutung gehabt haben, analysiert. Hier die entsprechenden Veröffentlichungen:

➔ Stefanie John (2021): Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2021. Ergebnisse und Analysen, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, März 2021

➔ Stefanie John (2021): Landtagswahl Baden-Württemberg 2021. Ergebnisse und Analyse, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, März 2021

(10.05.2021) Hier Material zum Thema Wählerwanderungen, am Beispiel der Bundestagswahl 2017:

➔ Karl Brenke und Alexander S. Kritikos (2020): Wohin die Wählerschaft bei der Bundestagswahl 2017 wanderte, in: DIW Wochenbericht Nr. 17/2020

»Trotz relativ großer Stammwählerschaften verbuchten CDU/ CSU und SPD bei der Bundestagswahl 2017 starke Verluste, weil sich viel mehr frühere Wähler und Wählerinnen abwandten als neue hinzukamen. Vor allem Beschäftigte mit Tätigkeiten mittlerer Qualifikation sowie Personen im Ruhestand kehrten ihnen den Rücken. Das zeigen Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels. Von den Abwanderungen von den Unionsparteien konnten vor allem die FDP aber auch die AfD profitieren, von der Schwäche der SPD alle Parteien im Bundestag, also Union, Grüne, Linke, FDP und AfD. Letztere konnte zudem viele vorherige Nichtwähler und Nichtwählerinnen gewinnen. Die Wählerschaften von Union und SPD ähneln stark der sozialen Zusammensetzung aller Wahlberechtigten, weshalb sie als Volksparteien gelten können. Dieser Parteitypus war zuletzt offenkundig immer weniger erfolgreich, denn die Parteienlandschaft wurde vielfältiger. Auf der einen Seite haben sich die Grünen etabliert, die vor allem höher qualifizierte Beschäftigte eher in Westdeutschland ansprechen. Hier macht ihnen vermehrt die Linke Konkurrenz. Auf der anderen Seite findet sich die AfD, die insbesondere die im Erwerbsleben stehenden „kleinen Leute“ erreicht, die eher auf Distanz zu den etablierten Parteien gehen.«

(08.05.2021) Zu den diesjährigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg finden Sie hier eine zusammenfassende Darstellung aus dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg, die explizit auf die Fragestellungen an Ihre Arbeitsgruppe eingeht:

➔ Elisabeth Glück (2021): Landtagswahlen in Baden-Württemberg. im Rückblick. Wie unterschieden sich Männer und Frauen, Jüngere und Ältere in ihrem Wahlverhalten?, in: Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Heft 2/2021

Auch wenn ich dazu noch einen Beitrag im allgemeinen Teil des Blogs schreiben werden, hier für Sie der Hinweis auf diese Mitteilung aus dem Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg:

Landtagswahl 2021: Erstmals mehr als 50 % Briefwahl. Baden-Württemberg: Nur in 30 Wahlkreisen ging die Mehrheit ins Wahllokal (19.04.2021): Der Anteil der Briefwahlstimmen belief sich im März auf insgesamt 51,3 %. Gegenüber der Landtagswahl 2016 (Briefwahlanteil: 21,0 %) hat sich der Anteil der Briefwahl folglich mehr als verdoppelt. Zudem wurden erstmals mehr als die Hälfte der Stimmen per Brief abgegeben. Interessant ist auch dieser Aspekt: Parteien schneiden je nach Art der Stimmabgabe unterschiedlich ab: »m Vergleich zum insgesamt erreichten Stimmenanteil erreichten die Parteien je nach Art der Stimmabgabe mitunter höhere bzw. niedrigere Stimmenanteile. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der AfD: Während die Partei bei den Urnenwählerinnen und -wählern 13,8 % erzielte, kam sie bei den per Brief abgegebenen Stimmen lediglich auf 5,9 %. Auch die FDP schnitt bei den Briefwählerinnen und -wählern etwas unterdurchschnittlich ab (Brief: 9,5 %; Urne: 11,5 %). Demgegenüber erzielten die GRÜNEN (Brief: 36,2 %; Urne: 28,9 %) und die CDU (Brief: 26,5 %; Urne: 21,5 %) bei den Briefwahlstimmen höhere Stimmenanteile. Für die SPD kann kein nennenswerter Unterschied zwischen den per Brief bzw. im Wahllokal abgegebenen Stimmen festgestellt werden (Brief: 11,0 %; Urne: 11,1 %).«

(03.05.2021) Zu den beiden Landtagswahlen im März 2021 finden Sie eine erste Wahlnachbetrachtung mit hilfreichen Daten noch aus der Wahlnacht:

➔ Horst Kahrs (2021): Die Wahlen am 14. März 2021 zu den Landtagen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Wahlnachtbericht und erster Kommentar, Berlin, 15.03.2021

»Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bilden (zusammen mit den Kommunalwahlen in Hessen) den Auftakt für vier weitere Landtagswahlen und die Bundestagswahl im Herbst 2021. Rund 11 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zur Wahl ihrer Landesregierungen aufgerufen. Die Wahlen waren ein Probelauf für Wahlkämpfe unter Bedingungen der Pandemie: mehr soziale Medien, weniger größere Versammlungen, weniger allgemeine Aufmerksamkeit, mehr Mobilisierung in den «eigenen» Kommunikationskreisen. Die Ergebnisse verstärken seit längerem sichtbare Trends.
Vor allem die Regierungsbildung in Baden-Württemberg wird erhebliche bundespolitische Auswirkungen haben. Eine Koalitionsregierung der Grünen mit SPD und FDP sendete das bundespolitische Signal, dass eine Regierung ohne die Union (und ohne die Linkspartei) möglich wäre. Die «Ampel» belebt die mediale Aufmerksamkeit: es gäbe eine Alternative zu Schwarz-Grün. Der CDU brächte dies weitere innerparteiliche Auseinandersetzungen. Dabei ginge es nicht nur um die Frage, mit welchem Kandidaten die größte Aussicht beständen, das Kanzleramt zu behaupten. Bereits im Juni ginge es um die Frage, wie die Staatskanzlei in Sachsen-Anhalt zu halten wäre – mit Hilfe der AfD, womit viele in der Landespartei liebäugeln? So wäre die Bundestagswahl schnell erneut mit der Frage verbunden, wie die CDU es denn nun mit der AfD hält und weiter halten will. Eine Ampel in Baden-Württemberg als Alternative zu Schwarz-Grün wäre auch für die Linkspartei hartes Brot, da sie nicht gebraucht, eher hindern würde, die CDU abzulösen.«

Und aus der CDU-nahen Konrad-Adenauer Stiftung gibt es diese beiden Analysen der Landtagswahlen:

➔ Viola Neu (2021): Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 14. März 2021, Berlin, 15.03.2021
➔ Viola Neu (2021): Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14. März 2021, Berlin, 15.03.2021

(02.05.2021) Und hier eine erste Lieferung zum Thema Landtagswahlen 2021 – also zu den Wahlen, die bereits im März 2021 stattgefunden haben, also in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg:

Höchst offizielle Informationen zum Wahlausgang finden Sie auf den Seiten der Landeswahlleiter bzw. der Statistischen Landesämter:

Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz. Dort auch das amtliche Endergebnis und die Verteilung der Abgeordnetensitze auf die einzelnen Parteien: Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl 2021 steht fest

Landtagswahlen in Baden-Württemberg.

(01.05.2021) Beginnen wir die Materiallieferung mit einem Blick auf die Bundestagswahl 2017.

Welche Unterschiede gab es beim Wahlverhalten hinsichtlich Geschlecht und Alter? Das kann man der so bedeutsamen „repräsentativen Wahlstatistik entnehmen. Dazu diese Beiträge:

➔ Pressekonferenz „Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2017“, Berlin/Wiesbaden, 26. Januar 2018 am 26. Januar 2018 in Berlin. Statement des Bundeswahlleiters Dr. Georg Thiel

➔ Kevin Kobold und Sven Schmiedel (2018): Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 2017 nach Geschlecht und Alter. Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 3/2018

Und hier der vor kurzem veröffentlichte Versuch einer zusammenfassenden Darstellung der in der repräsentativen Wahlstatistik abgebildeten Dimensionen Alter und Geschlecht hinsichtlich der Wahlbeteiligung und des Wahlverhaltens:

➔ Dominik Hirndorf (2021): Wahlbeteiligung und Wahlverhalten nach Alter und Geschlecht in Deutschland, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021

Aus der Zusammenfassung der Studie von Hirndorf (2021): »Die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen ist bei Männern und Frauen in der Summe gleich hoch. Allerdings gilt: In allen Altersgruppen unter 60 Jahren gehen Frauen etwas häufiger zur Wahl, dagegen ist die Wahlbeteiligung der Männer bei den ab 70-Jährigen deutlich höher als bei den Frauen. Bei den Altersgruppen unter 40 Jahren liegt die Wahlbeteiligung unter dem Durchschnitt. Am niedrigsten ist sie bei den 21- bis 24-Jährigen. Die Altersklassen ab 40 Jahren liegen dagegen im oder über dem Durchschnitt. Zuletzt stieg die Wahlbeteiligung der ab 70-Jährigen an, die bis 2009 noch unterdurchschnittliche Werte der Wahlbeteiligung aufwiesen. Die Unionsparteien und die Grünen wurden bei den jüngsten Bundestagswahlen häufiger von Frauen als von Männern gewählt, für die AfD wurde fast doppelt so häufig von Männern gestimmt. Während die Unionsparteien seit den 1950ern fast durchgehend häufiger von Frauen gewählt wurden, war die Wählerschaft der Grünen in ihren Anfangsjahren leicht männlich dominiert. Insgesamt kann das Geschlecht die Wahlentscheidung jedoch nur unzureichend erklären. Die Unionsparteien und die SPD rekrutierten ihre Wählerschaft bei der letzten Bundestagswahl überproportional aus den Altersgruppen ab 60 Jahren. Im Zeitverlauf wird deutlich, dass dies für die CDU/CSU auch bei allen vorherigen Wahlen zutraf, wohingegen die SPD noch in den 70ern und 80ern überdurchschnittlich gut bei jungen Wählerinnen und Wählern abschnitt. Bei der Europawahl 2019 waren die Grünen in den Altersgruppen unter 45 Jahren jeweils stärkste Kraft. Am schlechtesten schnitt die Partei in der Altersgruppe der ab 70-Jährigen ab. Die höchste Anzahl an Stimmen erhielten die Grünen jedoch insgesamt von den 45- bis 59-Jährigen. Die Altersgruppe mit der höchsten Stimmenanzahl hat sich bei den Grünen seit ihrer ersten Teilnahme an einer Europawahl 1984 stetig verschoben. Während die Partei damals bei den jüngsten Wählerinnen und Wählern die meisten Stimmen sammelte, sind es heute die 45- bis 59-Jährigen. Das Alter allein kann Unterschiede im Wahlverhalten jedoch nicht erklären. Weiterhin zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Altersgruppen bezüglich grundlegender Werteeinstellungen. Vielmehr sind weitere soziodemografische Faktoren (Bildung, Einkommen) sowie individuelle Einstellungen wichtiger für die Wahlentscheidung.«