Homeoffice

Zur Ambivalenz von Homeoffice als eine (bleibende?) Folge der Bewältigungsversuche der Corona-Pandemie in der Arbeitswelt

(23.06.2023) Die Büroarbeit und das Homeoffice wurden in der folgenden Veröffentlichung genauer unter die Lupe genommen – von Wissenschaftlern, die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) arbeiten:

➔ Ines Entgelmeier et al. (2023): Das Büro als sozialer Ort. Zusammenarbeit in hybriden Arbeitswelten, in: Arbeit. Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, Heft 2/2023
»Zusammenfassung: Viele Bürobeschäftigte haben seit der Covid-19-Pandemie die Möglichkeit, hybrid, also im Wechsel zu Hause und im Büro, zu arbeiten. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen wird dadurch vermehrt ins Virtuelle verlagert. Hierdurch kann sich nicht nur die inhaltliche Zusammenarbeit, sondern können sich auch soziale Beziehungen zwischen Beschäftigten verändern. Auf Basis der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019 und 2021 wird untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Anteil des Arbeitens von zu Hause und der Bewertung der kollegialen Zusammenarbeit gibt. Hierbei unterscheiden wir zwischen formeller, inhaltlicher Zusammenarbeit und informeller, persönlicher Zusammenarbeit. Die Ergebnisse zeigen, dass Bürobeschäftigte mit zunehmendem Anteil der Arbeit von zu Hause sowohl die formelle als auch die informelle Zusammenarbeit schlechter bewerten. Dabei wird insbesondere die formelle Zusammenarbeit 2021 jedoch besser bewertet als noch 2019. Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie haben hier möglicherweise zu Lerneffekten in der virtuellen Zusammenarbeit geführt.«

(20.06.2023) In der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung wurde heute dieser Artikel veröffentlicht, der von einer internationalen Studie des Chatanbieters Slack berichtet: Studie zu Produktivität im Büro: Meetings und E-Mails nerven. Darin finden Sie auch Ausführungen zu Ihrem Thema: „Höhere Produktivität im Homeoffice?“ Dazu kann man dem Beitrag einen durchaus differenzierten Antwortversuch entnehmen:

»Als mögliche Verbesserung ihrer Produktivität sehen viele Büro-Angestellte Homeoffice beziehungsweise mobiles Arbeiten an. 69 Prozent der Befragten aus Deutschland sagten, dass die Möglichkeit, von überall zu arbeiten, ihre Produktivität ihrer Einschätzung nach „ein wenig“ (35 Prozent) oder „deutlich“ (34 Prozent) steigern würde. Auch über das Homeoffice hinaus sehen viele Befragte Vorteile durch mehr Flexibilität etwa bei den Arbeitszeiten.
Die subjektive Einschätzung und die tatsächliche Produktivität können sich allerdings sehr unterscheiden, gibt Arbeitsmarktexperte Ulf Rinne zu Bedenken: „Wie produktiv es sich von zu Hause arbeiten lässt, ist wissenschaftlich tatsächlich eine sehr spannende Frage, weil es darauf – zumindest bislang – keine eindeutige Antwort gibt.“
„Es stellt sich auch die Frage, inwieweit sich die subjektive Beurteilung der Produktivität im Homeoffice allein auf den Bereich Arbeit beschränkt“, sagte Rinne. „Ich glaube, dass im Hinterkopf oft auch der Gedanke mitschwingt: Ich kann auch noch viele Dinge nebenbei erledigen, die ich vorher erst nach Feierabend erledigen konnte.“ Das könne die subjektive Bewertung der Produktivität im Homeoffice positiv beeinflussen – auch wenn es sich dabei eigentlich nicht um Aufgaben im Rahmen des Jobs handelt.«

(18.06.2023) Hier der Hinweis auf eine interessante neue Studie, in der es um Ihr Thema geht und zugleich die Möglichkeiten (und derzeitigen Grenzen), mit Hilfe von „Large Language Models (LLMs)“, auf denen beispielsweise das bekannte ChatGPT basiert, empirisch zu arbeiten, ausgelotet werden:

➔ Peter John Lambert (2023): Measuring Remote Work Using a Large Language Model (LLM), in: EconPol Forum, No. 3/2023

»Large Language Models (LLMs) can dramatically improve upon traditional text-based measurement tools used by economists. We fit, test and train the “Work-from-Home Algorithmic Measure” (WHAM) model to detect new online job postings offering remote/hybrid arrangements. The WHAM model has near-human accuracy. We deploy this model at scale, processing hundreds of millions of job ads collected across five countries and thousands of cities. The share of new ads offering remote/hybrid jobs increased four-fold in the US and more than five-fold in the UK, Australia, Canada, and New Zealand, between 2019 and 2023. These data and more are available for researchers at wfhmap.com. The “remote work gap” across cities, occupations, and high/low salary workers continues to widen, and the hare of advertised remote/hybrid work is highly skewed towards white-collar workers and cities which are hubs for government, business, technology, and higher education. LLMs offer massive potential for empirical research using text data, but one should adhere to best practices and understand the “do’s and don’ts” of these technologies. Generative AI offers immense promise, with some significant limitations.«

(13.06.2023): Immer mehr solcher Berichte kann man in der Wirtschaftspresse lesen:

Google zwingt Team ins Büro – Anwesenheit wird bei Leistungsbeurteilung relevant: »Google ruft das Team zurück ins Büro. Auch wenn nicht jeder an „magische Flurgespräche“ glaube, solle die Zusammenarbeit davon profitieren – laut Google-Managerin.«

Ergänzend: Der Verfasser des Artikels über Google, Andreas Weck, hatte im April diesen Kommentar veröffentlicht:

Zu 100 Prozent im Homeoffice: Eine Bilanz nach 45 Monaten: »Die einen hassen es, andere lieben es. Die Debatte um das Homeoffice wird vielerorts emotional geführt. Unser Autor zieht Bilanz nach 45 Monaten ohne Tischtennisplatte, Teeküche und Meetings vor Ort.«

Und wenn wir schon dabei sind – und wieder an den Anfang dieser Materialsammlung erinnernd, wo ich einen meiner Beiträge zitiert habe, in dem ich auf Homeoffice bzw. „Telearbeit“ lange vor Corona eingegangen bin: Andreas Weck hatte bereits im Dezember 2017 diesen interessanten Artikel veröffentlicht, also lange vor Corona:

Stanford-Studie verrät, wie viele Homeoffice-Tage optimal sind: »Seit Jahren wird hitzig darüber diskutiert: Home-Office oder Büro – was ist besser? Eine US-Studie hat vor allem Vorteile der Heimarbeit identifiziert, die sich unter Umständen jedoch in Luft auflösen.«

(06.06.2023) Hier ein Beitrag aus der österreichischen Tageszeitung Der Standard zu einem grundsätzlichen heiklen Thema im Kontext der Homeoffice-Debatte:

Chillen erlaubt? Was wirklich im Homeoffice passiert (05.06.2023): »Einigen CEOs ist das Arbeiten von zu Hause nicht geheuer. DER STANDARD hat bei Menschen nachgefragt, wie sie vorgehen.«

(28.05.2023) Das Thema mögliche Auswirkungen auf den Bereich der Immobilien haben wir hier ja schon angesprochen im Sinne einer reduzierten Nachfrage nach Büroflächen. Die FAZ berichtet aus der Welt der Banken, dass es solche Auswirkungen durchaus konkret geben kann:

Bundesbank plant jetzt deutlich kleinere Zentrale (24.05.2023): »Die Deutsche Bundesbank setzt den Rotstift an: Weil immer mehr Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, soll die künftige Zentrale deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant.«

Aber die Meinungen über mehr oder weniger oder gar kein Homeoffice gehen weit auseinander. Hier der Bericht über einen sehr eigensinnigen Unternehmer, den Sie wahrscheinlich alle aus dem Medien (und der Fernsehwerbung, die mit dem Affen) kennen:

Trigema-Chef Grupp pocht auf Präsenz: „Der, den ich ins Homeoffice schicken könnte, ist unwichtig“ (28.05.2023): »Trigema-Chef Wolfgang Grupp gilt als konservativer Unternehmer. Dass seine Angestellten täglich in der Firma erscheinen, ist für ihn selbstverständlich.«

(25.05.2023) Hier zwei neue englischsprachige Veröffentlichungen:

➔ Stephen Hansen et al. (2023): Remote Work across Jobs, Companies, and Space. NBER Working Paper No. 31007, Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research, March 2023
»The pandemic catalyzed an enduring shift to remote work. To measure and characterize this shift, we examine more than 250 million job vacancy postings across five English-speaking countries. Our measurements rely on a state-of-the-art language-processing framework that we fit, test, and refine using 30,000 human classifications. We achieve 99% accuracy in flagging job postings that advertise hybrid or fully remote work, greatly outperforming dictionary methods and also outperforming other machine-learning methods. From 2019 to early 2023, the share of postings that say new employees can work remotely one or more days per week rose more than three-fold in the U.S and by a factor of five or more in Australia, Canada, New Zealand and the U.K. These developments are highly non-uniform across and within cities, industries, occupations, and companies. Even when zooming in on employers in the same industry competing for talent in the same occupations, we find large differences in the share of job postings that explicitly offer remote work.«

Und Mit Blick auf Europe diese neue Veröffentlichung:

»The term ‘hybrid work’ was popularised with the upsurge of telework during the COVID-19 pandemic, when companies and employees started to discuss ways of organising work after the crisis. The term has been increasingly used to refer to situations in which (teleworkable) work is carried out from two sites: at the usual place of work (normally the employer’s premises) and from home (as experienced during the pandemic) or other locations. However, the concept of hybrid work is still fuzzy and various meanings are attributed to it. This report aims to bring clarity to this concept by exploring the available information from two main sources: recent literature and contributions provided by the Network of Eurofound Correspondents from across the European Union. It summarises the main debates around hybrid work in the Member States and shows how hybrid work has been implemented in practice across Europe. The main hindrances, challenges, benefits and opportunities of hybrid work are also discussed.«

➔ Eurofound (2023): Hybrid work in Europe: Concept and practice, Luxembourg: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), 2023

(15.05.2023) Wir hatten schon darüber gesprochen – die (möglichen) Auswirkungen von Homeoffice auf den Bürobereich. Dazu jetzt diese Meldung:

Viele Büros bleiben leer (15.05.2023): »Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie hat sich der Anteil der ungenutzten Büro-Arbeitsplätze verdreifacht. Das hat eine ifo-Umfrage ergeben. Allerdings sind die Differenzen in den unterschiedlichen Branchen sehr groß.«

Und weiter heißt es dort: »In Deutschlands Büros sind laut einer Umfrage des Münchner ifo-Instituts an einem durchschnittlichen Tag drei Mal so viele Arbeitsplätze ungenutzt wie vor der Corona-Pandemie. Der Anteil betrage im Schnitt aktuell 12,3 Prozent. Vor der Pandemie habe dieser Anteil bei nur 4,6 Prozent gelegen. Der Grund ist der gestiegene Anteil von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die im Homeoffice arbeiten.
„Etwa ein Viertel der Beschäftigten arbeitet regelmäßig im Homeoffice“, unterstreicht ifo-Experte Simon Krause. Manche Firmen wandelten leere Büros um in Coworking-Spaces für mehr persönlichen Austausch an den Präsenztagen. Andere Unternehmen verringerten ihren Flächenbedarf, um Kosten für die nicht genutzten Büros einzusparen.
Dieser Trend könne Folgen für den Immobilienmarkt haben, der wegen gestiegener Zinsen und Baukosten ohnehin unter Druck stehe. Außerdem treffe der Rückgang der Büronutzung die Innenstädte besonders stark. „Dort gibt es überdurchschnittlich viele Büros, und die Geschäfte dort leiden wegen Homeoffice zudem unter niedrigeren Einzelhandelsumsätzen“, sagte ifo-Forscher Krause.
Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich indes große Unterschiede. Im Dienstleistungssektor etwa stieg der Anteil seit 2019 von 6,2 auf 16,8 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe nahm er von 3,1 auf aktuell 9,6 Prozent zu. Im Handel ist die Zunahme von 3,2 auf 5,8 Prozent begrenzt, ebenso wie im Bauhauptgewerbe von 1,7 auf 2,5 Prozent. Besonders viele leere Büros finden sich demnach in den Branchen Informationstechnik, Werbung und Marktforschung, Unternehmensberatung sowie in der Pharmaindustrie.«

Die Originalmeldung des ifo Instituts finden Sie hier:
Dreimal mehr ungenutzte Büros als vor Corona (15.05.2023)

(10.05.2023) Neue Zahlen zu Ihrem Thema Homeoffice:

Große Unterschiede zwischen Branchen: Viele Beschäftigte arbeiten weiterhin im Homeoffice (10.05.2023): »Arbeitnehmer kehren nur zögerlich ins Büro zurück, hat das Ifo-Institut herausgefunden. Die Nutzung des Homeoffice lag im April demnach bei 24 Prozent.«

Wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte, lag die Nutzung von Homeoffice im April bei 24 Prozent aller Beschäftigten, nach 24,7 Prozent im Februar (vgl. dazu auch die Originalmeldung des ifo-Instituts: Beschäftigte kehren nur zögerlich ins Büro zurück, 10.05.2023). Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich beachtliche Unterschiede zwischen den Branchen. Am Beispiel des Dienstleistungssektors:

(09.05.2023) Wir hatten in der vergangenen Woche bei der Besprechung kurz auch über den Aspekt der (möglichen) Veränderungen der Büronutzung im Kontext des Homeoffice gesprochen (zu den Auswirkungen auf die Büroarbeit hatte ich Ihnen hier auf dieser Seite bereits den Beitrag von Blank et al. 2023 verlinkt). Ich habe Ihnen zum Thema Büroflächen einige Materialien rausgesucht:

Tatsächlich gab es durch und nach der ersten Homeoffice-Welle sofort Visionen über die möglichen Einsparpotenziale bei den kostenintensiven Büroflächen. Lesen Sie hierzu beispielhaft den folgenden Artike aus dem ersten Pandemiejahr:

➔ Tina Groll (2020): Viele Unternehmen wollen Büroflächen reduzieren, in: Zeit Online, 25.08.2020: »In der Pandemie haben viele Arbeitgeber gemerkt: Große Büros braucht es gar nicht – Homeoffice geht auch. Der Immobilienmarkt steht womöglich vor großen Veränderungen.«

Und ein Jahr später:

➔ Sven Christian Schulz (2021): Werden Büros überflüssig? Wie die Pandemie den Arbeitsplatz verändert, in: Redaktionsnetzwerk Deutschland Online, 28.06.2021: »Im Corona-Lockdown waren die Büros wie leer gefegt. Mit den Lockerungen kommen jetzt erste Angestellte zurück und Unternehmen müssen entscheiden, wie das Arbeitsleben der Zukunft aussehen soll. Hat das Arbeiten im Homeoffice so gut funktioniert, dass riesige Büroflächen jetzt überflüssig sind?«

Natürlich wurde die Thematik auch aufgegriffen von den Unternehmensberatungen, hier verweise ich beispielhaft auf diese interessante Ausarbeitung der Beratungsfirma Deloitte, ebenfalls aus dem ersten Pandemiejahr:

Wie arbeiten wir zukünftig im Büro? Anforderungen an das Büro der Zukunft und wie sich Unternehmen bestmöglich darauf vorbereiten können: »Wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen wird, ist eine Kernfrage, die spätestens seit Beginn der Corona Pandemie viele Unternehmen bewegt. Laut der Deloitte Flexible Working Studie 2020 gehen 80% der befragten Unternehmen davon aus, dass das Homeoffice auch nach COVID-19 eine zentrale Rolle im Arbeitsalltag spielen wird. Denn obwohl fast 50% der Arbeitnehmer bei der Arbeit im Homeoffice eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben vermissen, möchten zwei Drittel von ihnen Homeoffice auch zukünftig als flexible Arbeitsform fortführen. Unternehmen müssen daher im Umgang mit ihren Büros umdenken.«

Die angesprochene Studie (die gerade deshalb interessant ist, weil sie Befragungsergebisse präsentiert, die vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie erhoben wurde) finden Sie im Original hier:

➔ Deloitte (2020): Future of Workplace. Deutsche Büros und die Zukunft der digitalen Arbeitswelt, Düsseldorf, Mai 2020

Eine Zusammenfassung wichtiger Aspekte der damaligen Studie finden Sie hier:

Future of Workplace. Deutsche Büros und die Zukunft der digitalen Arbeitswelt (2020): »Flexibles Arbeiten in unterschiedlichen Raumsituationen oder an alternativen Arbeitsorten (z.B. Homeoffice), die Durchführung von virtuellen Workshops sowie das Halten von Kundenpräsentationen mittels Videokonferenz – diese Elemente der digitalen Arbeitswelt rücken in der aktuellen Lage verstärkt in den Fokus. Die vorliegende Deloitte Publikation zum Thema „Arbeitsplatz der Zukunft“ zeigt jedoch, dass nur eine Minderheit der Befragten über die technischen Voraussetzungen für mobiles Arbeiten, beispielsweise aus dem Homeoffice, verfügen. Der Report zu “Future of Workplace“ basiert auf einer Befragung von mehr als 1.000 deutschen Büronutzern vor der COVID-19 Pandemie und analysiert, inwieweit die Immobilien- und Arbeitsplatzstrategie, die Unternehmenskultur sowie die IT-Infrastruktur deutscher Unternehmen bereit für die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt sind, wo dringender Handlungsbedarf besteht und wie der Wandel aktiv gestaltet werden kann.«

(07.05.2023) Mit dem Thema Homeoffice und der Frage, ob und was nach Corona davon bleiben könnte, beschäftigen sich auch Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB). Hier aus den Wirtschaftsberichten der EZB dieser Aufsatz:

➔ António Dias da Silva, Dimitris Georgarakos und Marco Weißler (2023): Wie wollen die Menschen arbeiten? Präferenzen für die Telearbeit nach dem Ende der Pandemie, in: EZB, Wirtschaftsbericht, Ausgabe 1/2023, S. 58-63

(02.05.2023) Wir hatten heute über das Instrument Google Trends gesprochen. Ich habe mir das deutschlandweit für die vergangenen fünf Jahre angeschaut – man kann die Daten dann als CSV-Datei herunterladen, daraus habe ich die folgende Abbildung gemacht, die Sie gerne verwenden können:

Hier noch ein paar methodische Anmerkungen zur Interpretation der Daten:

Die bei „Interesse im zeitlichen Verlauf“ vergebenen Bewertungen stellen die relative Beliebtheit eines Begriffs in einem bestimmten Zeitraum dar. Dabei wird das maximal erreichte Suchvolumen für den Begriff gleich 100 gesetzt und alle anderen Suchvolumina entsprechend skaliert. Wenn also beispielsweise ein Begriff in den letzten 6 Monaten ein maximales Suchvolumen von 1.000.000 erreicht hat, dann werden die Punkte im Diagramm, die ein absolutes Suchvolumen von 500.000 aufweisen, mit der Punktzahl 50 dargestellt, da sie 50% des maximalen Suchvolumens bilden. Die Scores haben also keine absolute quantitative Bedeutung, sondern es handelt es sich um relative Werte. Somit können auch zwei verschiedene Begriffe in derselben Woche 80 Punkte erreichen, obwohl einer 1.000 Suchanfragen und der andere 1.000.000 Suchanfragen erhielt.

Und hier zum Vergleich der Verlauf der Kurven für den Zeitraum Januar 2020 bis April 2023 für die drei Suchbegriffe „Corona“, „Covid“ und „Covid-19“:

(02.05.2023) Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), eine Institution der Europäischen Union, hat diesen neuen Report veröffentlicht, der hervorragend zu Ihrem Thema passt:

➔ Eurofound (2023): The future of telework and hybrid work, Luxembourg: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), 2023

»The report explores plausible and imaginable scenarios examining how telework and hybrid work in the EU might have developed by 2035, and their implications for the world of work. How prepared are managers and employees, employer organisations and trade unions, and policymakers for the greater prevalence of these ways of organising work? How can they ensure that future telework and hybrid work arrangements benefit both employees and organisations? Using a foresight methodology, the report identifies blind spots, outlines emerging issues and assists policymakers in addressing key issues related to this form of work.« Und hier finden Sie die Key Findings.

(29.04.2023) Ich möchte Sie auf diesen kurzen Artikel hinweisen, der nur auf den ersten Blick zum Schmunzeln einlädt: Kollegen zu kaufen, so ist der Text von Michael Moorstedt überschrieben: »Einsam im Home-Office? In Online-Arbeitsgruppen kann man Fremden dabei zusehen, wie sie Textblöcke verschieben oder ihre Maus bewegen.«

(28.04.2023) Sie müssen wie alle anderen auch zurückblicken in die vergangenen drei Jahre. Hier ein Podcast zu Ihrem Thema, der im Februar 2022 ausgestrahlt wurde:

➔ HR: My home is my office. Wie lange noch? (22.02.2022)
Corona kreißte und gebar aus dieser Not (wie neu) das Homeoffice. Was daraus inzwischen entstanden ist an heimischen Arbeitstischen, Arbeitsräumen, Arbeitsweisen, das ist für die einen auch nach zwei Jahren Pandemie immer noch eine Notlösung. Viele andere dagegen witterten von Anfang an die Gelegenheit, endlich aus der Not die ersehnte Tugend zu machen. Aber nun, da immer lauter über ein näher rückendes Ende der Not nachgedacht wird, winkt oder droht womöglich auch dem Homeoffice der Feierabend. „Endlich!“, rufen die einen. „Bitte nicht!“, rufen die anderen und suchen deshalb Heil im Bundesarbeitsministerium. Die Gretchenfrage lautet also: Welchen Platz hat, welchen Komfort bietet und welche Räume öffnet das Homeoffice in der post-pandemischen Arbeitswelt?

Und wenn wir schon im vergangenen Jahr sind:

➔ SR: Anders Arbeiten. Wie die Pandemie die Arbeitswelt verändert hat (30.04.2022)
Homeoffice, Kurzarbeit oder Jobverlust- mit Beginn der Corona-Pandemie hat sich für Viele der Arbeitsalltag verändert. Wie haben Beschäftigte diese Zeit erlebt? Und was ist davon nach zwei Jahren geblieben?

Und die Frage, ob es nachhaltige Veränderungen in der Arbeitswelt geben wird, bewegt nicht nur die Medien bis in die heutigen Tage:

➔ SWR: Brave New Work? Wie wir nach Corona arbeiten (11.03.2023)
Drei Jahre ist es her, dass die WHO Corona zur Pandemie erklärte – und kurz darauf Deutschland in den ersten Lockdown ging. Homeoffice wurde in vielen Branchen zur Pflicht, inzwischen gilt das flexible Arbeiten als Errungenschaft der Corona-Zeit. In vielen Unternehmen wird auch nach der Pandemie „hybrid“ gearbeitet, die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben bleiben fließend – ist das das neue Normal?

(25.04.2023) Naturgemäß spielt die Homeoffice-Frage, wie der Name schon andeutet, eine besondere Rolle im Bereich der Büroarbeit. Hierzu und mit Blick (nicht nur) auf die Corona-Pandemie diese neue Studie:

➔ Marco Blank, Stefanie Steeg, Michael Tiemann und Pia Wagner (2023): Leere Büros? Büroarbeit unter dem Einfluss der Digitalisierung und der Corona- Pandemie, Nürnberg: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Februar 2023
»Im März 2020 verlagerte sich ein großer Teil der Büroarbeit ins Homeoffice – dies geschah in Folge der ausbrechenden Corona-Pandemie. Dem Engagement der Bürobeschäftigten sowie den technischen Möglichkeiten ist es zu verdanken, dass die Umstellung in weiten Teilen funktioniert hat. Obwohl die technischen Möglichkeiten zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden waren, wurden diese bei weitem noch nicht umfänglich genutzt. Unternehmen und Beschäftigte betraten mit diesem neuen Arbeitsarrangement entsprechend größtenteils Neuland. Bisher vernachlässigte Technologien, vor allem zur Videotelefonie, ermöglichten einen umfangreichen Transformationsprozess und erfuhren eine weitreichende Akzeptanz. Der Transformationsprozess ließ sich entsprechend nicht allein durch die Technologien bewältigen, sondern wurde vor allem durch die Bürobeschäftigten, die die Techniknutzung und die neuen Arbeitsprozesse gestalteten, umgesetzt. Wie die Bürobeschäftigten diese Situation bewältigten und welchen langfristigen Auswirkungen und Veränderungen sich die Beschäftigten in Zukunft stellen müssen, wird im folgenden Artikel bearbeitet.«

(25.04.2023) Und weiter geht es mit den Materiallieferungen zu Ihrem Thema:

➔ Michelle Buller (2022): Das alltägliche Arrangement von Homeoffice, Kinderbetreuung und Paarbeziehung Eine qualitative Analyse von Paarinterviews während der COVID-19-Pandemie. Masterarbeit, Siegen: Universität Siegen, 2022*

*) Sie finden den Aufsatz im Materialordner auf der Olat-Seite.

➔ Annette Trahms et al. (2023): Erwerbs- und Lebenslagen von Über-60-Jährigen: Mit Pandemiebeginn arbeiteten auch Ältere mehr im Homeoffice als davor. IAB-Kurzbericht Nr. 7/2023, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2023
»Von der Covid-19-Pandemie waren Über-60-Jährige mehrfach betroffen. Einerseits wegen des höheren Risikos für einen schweren Infektionsverlauf. Andererseits wirkte sich der Rückgang der betrieblichen Arbeitskräftenachfrage infolge von Kontaktbeschränkungen insbesondere auf die atypische Beschäftigung aus: Dazu zählen auch Minijobs, die gerade für ältere Beschäftigte und Rentenbeziehende eine häufige Erwerbsform darstellen. Mit Daten des IAB untersuchen die Autorinnen pandemiebedingte Veränderungen in verschiedenen Erwerbs- und Lebenslagen von 60- bis 70-jährigen Beschäftigten.«

(20.04.2023) Arbeiten im Homeoffice hat sich inzwischen fest etabliert. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilte, hat im vergangenen Jahr jeder vierte Arbeitnehmer in Bayern mindestens einen Tag in der Woche von zu Hause aus gearbeitet. Dieser Anteil blieb auch nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht während der Corona-Pandemie fast unverändert.

Homeoffice bei den Beschäftigten 2022 in Bayern nach wie vor beliebt (19.04.2023)
Homeoffice-Anteil mit 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert (2021: 25 Prozent) – Arbeiten im Homeoffice hat sich in Teilen der Arbeitswelt fest etabliert

(18.04.2023) eine der ganz frühen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie war das Arbeiten nicht mehr in den Unternehmen, sondern im Homeoffice. Und schon frühzeitig haben Wissenschaftler versucht, die Ausbreitung von Homeoffice und deren Auswirkungen zu begleiten. Aus dem ersten Corona-Jahr beispielsweise dieses Policy Paper aus dem Cluster „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz:

➔ Florian Kunze et al. (2020): Homeoffice in der Corona-Krise – eine nachhaltige Transformation der Arbeitswelt?, Konstanz: Universität Konstanz, Juli 2020
»Die Corona-Krise hat für viele Beschäftigte zu einer schnellen und tiefgreifenden Veränderung ihres Arbeitsalltags geführt. Zur Einhaltung sozialer Distanzierung haben private und öffentliche Organisationen ihre Belegschaft ganz oder teilweise ins Homeoffice geschickt. Die vorliegende Studie vermisst diese neue Arbeitswelt auf einer einzigartigen Datengrundlage: Einer Umfrage unter rund 700 Beschäftigten im Homeoffice über neun Erhebungszeitpunkte hinweg. Die Ergebnisse zeigen, dass die empfundene Produktivität und das Engagement der Beschäftigten durch die Arbeit im Homeoffice gefördert werden und sich eine große Mehrheit wünscht, zumindest teilweise weiterhin mobil zu arbeiten. Jedoch wird auch eine Tendenz zu Mehrarbeit und damit einhergehender Erschöpfung deutlich. Das erhöht den Handlungsdruck für die Politik und die Vertretungen von Betrieben und Beschäftigten. Die Studie schließt mit Empfehlungen, wie die Rahmenbedingungen für das Arbeiten im Homeoffice verbessert werden können.«

Gerade zum Thema Homeoffice habe ich in meinem Blog „Aktuelle Sozialpolitik“ einige Beiträge veröffentlicht angesichts der Bedeutung für den Arbeitsmarkt wie auch für die Arbeitssituation der Betroffenen.

So bereits in der Frühphase der sich ausbreitenden Pandemie, im März 2020:

➔ Stefan Sell (2020): Dann macht doch Heimarbeit … Ungleiches Arbeiten zu Hause (nicht nur in viralen Zeiten), 18.03.2020

Vielleicht durchaus und nicht nur aus historischem Interesse dieser Hinweis auf einen Beitrag von mir zum Thema Homeoffice, der aus dem Jahr 2019, also noch keiner ahnte, was da ab 2020 auf uns zukommen wird, selbst Ihr Dozent nicht:

➔ Stefan Sell (2019): Arbeit im Homeoffice zwischen heimeligen Erwartungen und tatsächlichen Fallstricken, 18.04.2019

Und hier ein weiterer Beitrag von mir aus neuerer Zeit:

➔ Stefan Sell (2022): Ein Viertel aller Erwerbstätigen hat 2021 im Homeoffice gearbeitet, darunter die einen viel und die anderen kaum. Erkennbar ist eine „dreifache Polarisierung“ der Heimarbeit, 23.06.2022

Im vergangenen Jahr gab es diese Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Deutschen Bundestag:

➔ Homeoffice als Arbeitsform, Bundestags-Drucksache 20/4120 vom 17.10.2022

Und Anfang dieses Jahres wurde dieser Beitrag in der Zeitschrift „WSI Mitteilungen“, die vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) herausgegeben wird, veröffentlicht:

➔ Tanja Christensen (2023): Zwischen Homeoffice, neuer Präsenz und Care. Die räumliche und digitale Neuordnung von Arbeit, in: WSI Mitteilungen, Heft 1/2023
»Seit der Pandemie ist nicht nur Arbeiten im Homeoffice normaler geworden, auch
der betriebliche Arbeitsplatz hat sich verändert. Arbeitsbedingungen werden neu ausgehandelt, sowohl in der „neuen Präsenz“ als auch im Privatraum. Beschäftigte entwickeln neue digitale Praktiken, um kollegiale Kontakte und soziale Begegnungen zu kompensieren, verhandeln gleichzeitig zu Hause die Verteilung von Sorgearbeit neu und kommen mit veränderten Erwartungen und Bedürfnissen ins Büro. Dieser Beitrag widmet sich auf der Grundlage verschiedener Forschungsprojekte aus arbeits-, care- und geschlechtersoziologischen Perspektiven der Frage, welche Herausforderungen mit dem Alltag zwischen ausgedehntem Homeoffice und neuer Präsenz verbunden sind.«