Schulen

Auswirkungen auf die Schulen und der konkrete Umgang mit digitalen Ersatzangeboten sowie beobachtbarer Umsetzungsprobleme

(13.07.2020) Zwei Leseempfehlungen für die Arbeitsgruppe:

➔ Tim Engartner und Lisa-Marie Schröder (2020): Apple, Google & Co.: Kommerz im Klassenzimmer, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 7/2020: »Der Corona-Lockdown hat die Bildungskluft hierzulande deutlich offengelegt – nicht zuletzt wegen der fehlenden digitalen Ausstattung in den Schulen, kritisierte »Blätter«-Redakteurin Annett Mängel in der Juni-Ausgabe. Diese Kluft lasse sich jedoch nicht allein mit Tablets und Apps schließen, mahnen die Bildungsforscher Tim Engartner und Lisa-Marie Schröder.«

Und wieder zurück in die Niederungen der deutschen Schulpolitik – das wird noch eine Menge Ärger geben nach den Sommerferien bei der Frage, wie es weitergehen kann mit den Schulen und dem Unterricht:
Esken hält Schulunterricht ohne Abstand für ein Risiko: »Die Kultusminister der Länder wollen im Herbst den Schulbetrieb wie gewohnt aufnehmen. Die SPD-Chefin hat Bedenken und fordert kontaktreduzierten Unterricht.«

(10.07.2020) Interview: Beschränkungen belasten Kinder – Wie Schulen Eltern in der Coronazeit helfen können: »Corona sorgte für Schulfrei. Monatelang. Doch vielen Familien tat dies nicht gut, haben die Autoren einer Studie herausgefunden. Nach Einschätzung von Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut eröffnet Corona aber auch neue Chancen für Familien und Schulen.«

(06.07.2020) Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages haben diese interessante Zusammenstellung veröffentlicht:

➔ Christine Steinhoff (2020): Ausgewählte Aspekte zu COVID-19-Erkrankungen bei Kindern, Berlin: Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages, 2020

Und angesichts der Perspektive (?), dass nach den Sommerferien wieder der Regelbetrieb in den Schulen aufgenommen werden soll, möchte ich auf diesen Beitrag hinweisen:

„Keine Rückschlüsse auf die Normalsituation“ – RKI stellt klar: Wissenschaftliche Grundlage für weite Schulöffnungen fehlt bislang (06.07.2020): »Sind Kinder weniger durch Corona gefährdet als Erwachsene? Kultusminister behaupten das – und begründen damit, dass weite Schulöffnungen ohne Abstandsregel nach den Sommerferien möglich sind. Tatsächlich scheinen dies einige Studien zu bestätigen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat jetzt den Stand der Forschung gesichtet und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Es könne sein, dass diese Untersuchungen nur die Auswirkungen des Lockdowns beschreiben. Eine Einschätzung, welche Effekte die geplanten Schulöffnungen nach den Sommerferien haben werden, ist deshalb „zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich“. Für Landesregierungen, die sich weit aus dem Fenster gelehnt haben, ist das ein peinlicher Befund.«

(01.07.2020) Für Ihre Themenstellung ist das hier besonders relevant und noch rechtzeitig vor dem Abschluss Ihrer Arbeit:

Die Studie HOMEschooling 2020 wurde auf dieser Seite schon mal erwähnt, nunmehr liegen die Ergebnisse vor:
➔ Universität Koblenz-Landau: Bericht über bundesweite Elternbefragung zu Homeschooling während der Corona-Pandemie liegt vor: »Seit der coronabedingten Schließung der Schulen am 16. März 2020 ist in Deutschland Homeschooling in aller Munde. Von heute auf morgen musste Unterricht zu Hause stattfinden und Eltern sahen sich ohne Vorbereitung in der Rolle von Lehrkräften. Was diese Situation für Eltern bedeutet und wie das Unterrichten zu Hause aus ihrer Sicht funktioniert hat die bundesweite Studie HOMEschooling 2020 der Universität Koblenz-Landau untersucht. Ein Viertel der befragten Eltern sehen ihre Beziehung zu ihrem Kind durch das Homeschooling als belastet an, so ein zentrales Ergebnis. Der Bericht liegt nun vor.«

Und hier gibt es die Studie im Original:

➔ Anja Wildemann und Ingmar Hosenfeld (2020): Bundesweite Elternbefragung zu Homeschooling während der Covid 19-Pandemie. Erkenntnisse zur Umsetzung des Homeschoolings in Deutschland, Landau in der Pfalz, 29.06.2020

(01.07.2020) Hier mal ein Artikel aus Großbritannien, der den Finger auf eine Wunde legt, die es auch bei uns geben wird:
English schools ‘using coronavirus as excuse’ not to teach special needs pupils: »Risk assessments being used to keep children at home for ‘spurious reasons’, MPs hear.«

(27.06.2020) Hier der Hinweis auf eine sehenswerte Doku des WDR-Fernsehens:

➔ WDR: Abgehängt durch Corona? Schüler an der Brennpunktschule (24.06.2020): »Die Story begleitet Schüler und Lehrer der Gesamtschule Bockmühle in den letzten Wochen dieses Schuljahrs. Sie zeigt, wie Schüler um ihren Abschluss und ihre Zukunft kämpfen – und wie ihre Lehrer versuchen, die Kinder auch unter schwierigen Bedingungen nicht zu verlieren.«

(27.06.2020) Hier ein interessantes Interview, das sogleich hohe Wellen geschlagen hat – geht es doch um Lehrer und was die (nicht) tun:

„Lehrkräfte haben in der Pandemie zu wenig zurückgegeben“ (27.06.2020): „Es gibt eine Tabuneigung im Bildungsbereich: Man kritisiert die Arbeit von Lehrkräften nicht“, sagt Erziehungswissenschaftler Ullrich Bauer. Im Interview erklärt er, was in der Coronakrise schlecht lief – und was in der Sommerpause passieren muss.«

Sie können sich das sicher vorstellen – wütende Reaktionen der angesprochenen Berufsgruppe ließen nicht lange auf sich warten. Auch darüber berichtet der SPIEGEL – noch am gleichen Tag:
„Die meisten meiner KollegInnen haben deutlich mehr gearbeitet als ohnehin“ (27.06.2020): »Der Bildungsforscher Ullrich Bauer kritisierte in einem SPIEGEL-Interview auch einen mangelnden Einsatz von Lehrkräften während der Coronakrise. Die Leserreaktionen dazu bilden zwei klare Lager.«

Da sollte man die Eltern nicht vergessen: “Das Chaos um die Schulen ist zu unserem Alltag geworden”: »Wer derzeit zur Schule darf, entscheidet sich von Land zu Land, aber auch von Schule zu Schule und Klasse zu Klasse. Vor allem bei der Frage, wie es nach den Sommerferien weitergeht, ist noch vieles unklar.«

Und wenn wir bei den Eltern sind, dann geht es auch um solche Fragen wie Homeschooling, Heimarbeit und die Frage der Aufteilung zwischen den Geschlechtern. Hierzu gibt es eine neue Studie:

➔ Christina Boll und Simone Schüller (2020): Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos – empirisch gestützte Überlegungen zur elterlichen Aufteilung der Kinderbetreuung vor, während und nach dem COVID-19 Lockdown. SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research 1089-2020, Berlin 2020

(21.06.2020) Hier der Hinweis auf einen längeren Artikel des SPIEGEL:

Mehr als jeder zehnte Lehrer fällt für den Unterricht im Klassenzimmer aus: »Lehrer können sich bisher einfach vom Unterricht im Klassenzimmer befreien lassen, wenn sie Angst vor einer Corona-Ansteckung haben. Fast alle Bundesländer führen deshalb jetzt eine Attestpflicht ein. Eine Auswertung des SPIEGEL zeigt, wo wie viele Lehrer fehlen.«

(20.06.2020) Corona: Schulschließungen belasten Mütter besonders, so ist eine Pressemitteilung der Krankenkasse DAK Gesundheit überschrieben. »Sorgen, Stress und Streit: Die aktuellen Schulschließungen durch die Corona-Pandemie sorgen in Familien für verstärkten Druck. Etwa 90 Prozent der Eltern sind wegen der Auswirkungen der Krise besorgt. Fast jedes zweite Elternteil ist oft oder sehr oft gestresst. In jeder vierten Familie gibt es Streit. Insgesamt sind die Mütter mehr belastet als die Väter. Vor allem jüngere Schülerinnen und Schüler leiden unter dem ausschließlichen Lernen zu Hause. Das zeigt die bundesweite Befragung „Homeschooling in Corona-Zeiten“* der DAK-Gesundheit. Die repräsentative Erhebung der Krankenkasse ist die erste Studie zur Auswirkung des schulischen Lockdowns und wurde vom Forsa-Institut durchgeführt. Nach der Umfrage befürwortet mit 81 Prozent eine große Mehrheit der befragten Eltern eine schrittweise Wiedereröffnung der Schulen. Bei den Kindern sind es 62 Prozent.«

Die angesprochene Befragungsstudie finden Sie hier:
➔ forsa (2020): Homeschooling in Corona-Zeiten. Erfahrungen von Eltern und Schülern, Berlin, 27.05.2020

Und dann der Hinweis auf eine weitere neue Veröffentlichung als Beispiel für einen sehr ökonomischen Blick auf das Thema:

➔ Dorothea Siems (2020): So schlimm ist die Lockdown-Bürde für unsere Kinder wirklich, in: Welt Online, 20.06.2020: »Erstmals zeigen groß angelegte Untersuchungen, wie sehr Schulschließungen und der folgende Notbetrieb den Leistungsstand der Kinder drücken – und wie sie ihn nachhaltig beeinflussen. Bei einem Fach ist die Wirkung besonders groß. Und oft nicht aufholbar.«

(15.06.2020): Das nächste Schuljahr: Gibt es einen Plan – oder droht das große Chaos? »Das Nebeneinander von Arbeiten im Homeoffice und Kinderbetreuung hat viele Eltern an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Die Kultusminister beraten in dieser Woche darüber, wie das kommende Schuljahr aussehen soll. Was sind die Szenarien, was empfehlen Experten? Ein Überblick in unübersichtlichen Zeiten.«

(13.06.2020) Und ein weiterer Beitrag zu dem offensichtlich höchst strittigen Thema Homeschooling:
Bildungsforscherin: Unsere Schüler werden nur notversorgt, weil das System versagt: »Das Homeschooling zermürbt zunehmend die Nerven vieler Eltern. Die einen klagen über zu umfangreiche Arbeitsaufträge, die anderen hadern mit der Anleitung durch die Schulen. Hat das Bildungssystem in der Corona-Krise versagt? Interview Nele McElvany, sie ist Bildungsforscherin, Professorin für Psychologie und geschäftsführende Direktorin des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund.«

(11.06.2020): 3sat: „Kulturzeit extra“: Kinder ohne Schule – Was wird aus der Generation Corona?: »Kinder haben keine Lobby! Während wir Airlines und Autokonzerne retten, wird die Bildung vergessen. „Kulturzeit extra“ fragt, wie Kinder, Eltern und Lehrer die Krise bewältigen. Welche Lehren können wir für die Bildung ziehen? Kann die Digitalisierung Lösungen bieten? Und welche Folgen hat die Krise für die Psyche unserer Kinder? Generation Corona nennt man sie jetzt schon. Die Sorgen der Kinder fanden bisher zu wenig Gehör. Zeit, die Bildung in den Blick zu nehmen. Die letzten Wochen waren geprägt von Homeschooling und Digitalunterricht. Und es könnte länger dauern, bis wirklich alle zusammen und jeden Tag in die Schule gehen können. „Kulturzeit extra“ hinterfragt das System Schule und versucht einen Blick nach vorne.«

(09.06.2020) Das Doku-Magazin „ZDFzoom“ hat Ihr Thema aufgegriffen in einer längeren Reportage, die am 11.06.2020 ausgestrahlt wird – aber schon vorab in der Mediakthek verfügbar ist:

➔ ZDFzoom: Schulen im Corona-Stress – Lernen aus der Krise: »Der Unterricht von zu Hause aus ist während der Corona-Pandemie in ganz Deutschland Alltag geworden. Schüler, Eltern und Lehrer wurden von der völlig neuen Lernsituation quasi überrumpelt.«

»Das sogenannte Homeschooling spaltet die Gemüter. Während die einen zufrieden sind und beim Lernen daheim regelrecht aufblühen, fühlen sich andere überfordert und alleingelassen. Viele machen sich Sorgen um ihre schulische Zukunft. Viele Mängel des deutschen Schulwesens treten im Corona-Stresstest noch deutlicher als sonst zutage: Bildungsungerechtigkeit, schlechte digitale und hygienische Ausstattung, veraltete Lehrpläne und -methoden: An diesen Missständen krankt das deutsche Bildungssystem nicht erst seit Corona. Lehrer warnen, dass die Kluft zwischen Schülern aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen in der gegenwärtigen Krise noch größer wird. Sie berichten, dass teilweise ganze Klassen während der Schulschließungen abtauchen.“Es gibt Schulen, da läuft es ganz hervorragend, und es gibt Schulen, da läuft leider gar nichts. Das ist aus unserer Sicht eine sehr ungünstige Situation“, kritisiert Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrates. Der Bundeselternrat fordert Verlässlichkeit und einheitlichere Regeln für alle Schulen und Bundesländer. Wie es anders gehen kann, zeigt eine Schule in Marburg. Die Richtsberg-Gesamtschule suchte bereits vor Corona nach Möglichkeiten, das Lernen in der Schule so umzugestalten, dass es für alle Kinder funktioniert, ganz gleich, ob sie von ihren Eltern unterstützt werden. Die Wände der fünften Klassen wurden eingerissen, die Klassenstruktur aufgelöst. In neuen Lernräumen sollen die Kinder ab Klasse 5 möglichst eigenständig arbeiten. Jedes Kind besitzt ein eigenes iPad. Lehrer heißen hier Lernbegleiter und kümmern sich individuell um die Kinder. Frontalunterricht wie früher gab es hier schon vor Corona nicht mehr. Davon profitieren nun Lehrer und Schüler. Es gelingt, fast alle Kinder der Stufe zu erreichen, obwohl die Schule in einem sozialen Brennpunkt liegt. Die Eltern von Bawan, vor vier Jahren aus Syrien geflüchtet, sind sehr zufrieden. „Wir sprechen nicht gut Deutsch und können Bawan kaum helfen. Aber wir sind stolz, dass er so gut zurechtkommt.“ Unter erschwerten Bedingungen spricht „ZDFzoom“-Reporterin Valerie Henschel mit Schülern, Lehrern und Eltern in der ganzen Republik. Wie gut oder schlecht kommen sie klar? Woran liegt es? Und vor allem – was können Schulen aus der Krise lernen?«

(08.06.2020) Hier ein Beitrag des Politikmagazins Westpol (WDR-Fernsehen) zum Thema Schulöffnung. Der Beitrag als Video

Wann kommt die Normalität zurück in die Schulen? (07.06.2020): »Sie hat sich endlich getraut: Schulministerin Yvonne Gebauer will, dass die Grundschulen in rund einer Woche wieder zur Normalität zurückkehren. Für die Entscheidung hat sie lange gebraucht. Warum? Und wer steckt dahinter? Und was ist mit den weiterführenden Schule.«

(07.06.2020) Hier noch ein interessanter Artikel zu einer speziellen Gruppe, die aus der öffentlichen Diskussion fast völlig verschwunden ist:
Die Fortschritte eines halben Jahres sind verloren: »Wie konnten geflüchtete Kinder während der Schulschließungen zu Hause lernen? Eine Lehrerin, eine Schülerin und ein Schulleiter berichten.«

(07.06.2020) Also das muss man mal in aller Ruhe lesen, auch wenn es schwierig ist, dabei ruhig zu bleiben:
Streit über Mails und Videochats in Schulen: »Ist es ein Skandal, wenn Lehrkräfte Zoom oder Whatsapp nutzen, um Schüler während der Pandemie zu unterrichten? Eine Bußgeld-Drohung in Thüringen wirft grundsätzliche Fragen auf.«

(07.06.2020) Ihr Thema ist auch eingebettet in das, was unter „Homeoffice“ verhandelt wird. Hierzu hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim eine neue Kurzexpertise vorgelegt, die besonders der Frage nachgeht, ob und welche Auswirkungen es gibt hinsichtlich der „Gender Gaps“. Hier erste einmal eine deutschsprachige Zusammenfassung der Befunde:
Homeoffice in der Pandemie beeinflusst die Aufgabenverteilung in Familien: »Der Lockdown zur Eindämmung von Covid-19 kann eine Verstärkung von traditionellen Rollenmustern in Familien zur Folge haben. Zwar bietet Homeoffice Müttern die Chance, ihre Arbeitszeit aufzustocken. Gleichzeitig müssen sie aber auch mehr Haushalts- und Erziehungsarbeit übernehmen – vor allem, wenn die Väter nicht von zu Hause aus arbeiten können. In etwa 30 Prozent der Haushalte sind Väter beruflich flexibler als Mütter und könnten daher mehr Zeit für die Kindererziehung und den Haushalt aufwenden. In der Mehrzahl der Familien kommt allerdings Mehrarbeit auf Frauen zu. Das geht aus einer aktuellen Kurzexpertise des ZEW Mannheim hervor.«
Und hier die Expertise im Original:
➔ Melanie Arntz, Sarra Ben Yahmed and Francesco Berlingieri (2020): Working from Home and Covid-19. The Chances and Risks for Gender Gaps. ZEW-Kurzexpertise Nr. 20-09, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), 2020

(06.06.2020) Noch läuft das Schuljahr, aber die Sommerferien stehen vor der Tür. Was bedeutet das für Ihr Thema? Dazu dieser Beitrag des Deutschlandfunks:
Schule nach den Sommerferien: Digitaler Unterricht bleibt die Herausforderung: »Die Corona-Pandemie hat die deutschen Schulen in die digitale Krise gestürzt. Je näher die Sommerferien rücken, desto dringender wird die Planung des nächsten Schuljahrs. Wie können die Schulen dann wieder öffnen und welche Rolle muss digitaler Unterricht spielen? Ein Überblick.«

Das muss man auch vor diesem Hintergrund einordnen:
„Viele Experten raten uns, die Schulen kurzfristig aufzumachen“: Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig (SPD), hält es für wichtig, dass Kinder und Jugendliche möglichst bald wieder in den regulären Unterricht zurückkehren. Regelbetrieb wie vor Corona sei aber nicht möglich, etwa weil sich Klassen nicht vermischen dürften, sagte sie im Dlf.

(03.06.2020) Die Gewerkschaft der Lehrer (GEW) hat sich zu Ihrem Thema zu Wort gemeldet. Bitte mal kritisch lesen:
Lehrer sind unzufrieden mit digitalem Unterricht: »Beim digitalen Unterricht stoßen Lehrer in Deutschland auf große Hürden: Laut einer Umfrage mangelt es an nötigen Dienstgeräten – auch bei Fortbildungen sieht es schlecht aus.«

(02.06.2020) Hier der Hinweis auf eine für den Kontext Ihres Themas interessante Studie, falls Sie die nicht schon entdeckt haben:
➔ Bettina Kohlrausch und Aline Zucco (2020): Die Corona-Krise trifft Frauen doppelt. Weniger Erwerbseinkommen und mehr Sorgearbeit. WSI-Policy Brief 40, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Mai 2020

(28.05.2020) Das Magazin „mehr/wert“ des Bayerischen Fernsehens greift in diesem Beitrag ein besonderes Problem des Homeschooling auf: Stolperstein: Homeschooling für Kinder mit Handicap (14.05.2020): »Für viele Schüler beginnt nach und nach wieder der Schulalltag. Für Kinder mit Behinderung ist das nicht so, denn sie gehören häufig zur Corona-Risikogruppe. Das Lernen zu Hause ist da eine ganz besondere Herausforderung, die Eltern und Kinder an den Rand ihrer Kräfte bringt.«

(22.05.2020) Eine neue Studie richtet den Blick auf die Kinder:

➔ Alexandra Langmeyer, Angelika Guglhör-Rudan, Thorsten Naab, Marc Urlen und Ursula Winklhofer (2020): Kindsein in Zeiten von Corona. Erste Ergebnisse zum veränderten Alltag und zum Wohlbefinden von Kindern, München: Deutsches Jugendinstitut (DJI), 09.05.2020

(22.05.2020) Bitte diesen Artikel von Florian Diekmann und Silke Fokken lesen und berücksichtigen: Arme Schüler im Fernunterricht: Leere Mägen statt Laptops: »Kein Schulmittagessen mehr, aber ein Laptop muss her: Armen Familien droht durch den Fernunterricht die finanzielle Überforderung. Die staatliche Unterstützung ist umständlich und kommt zu spät.«

(17.05.2020) Im Politikmagazin „Westpol“ des WDR-Fernsehens gab es heute Abend diesen Beitrag zum Thema der Arbeitsgruppe:

Westpol: Digitale Schule – analoger Alltag? (17.05.2020): »Wie viel digitale Schule kann NRW? Kann NRW überhaupt digitale Schule? Zwei Fragen, deren Beantwortung in Coronazeiten dringender scheint denn je. Wir dokumentieren den Stand der Diskussion und besuchen eine Schule, die mit sehr viel Eigeninitiative bei der Digitalisierung zeigt, was alles machbar ist.«

(17.05.2020): Schulen in Berlin wieder geöffnet: Eltern sind frustriert: Schulen haben die Klassen halbiert, gedrittelt oder sogar geviertelt. Schultage sind oft nur drei oder vier Stunden lang. Dazu auch dieser Kommentar von Eva Corino: Kita- und Schulöffnung: Die Zerrissenheit der Eltern wächst: »Alle Kinder dürfen bald wieder in Kita und Schule gehen, aber leider nur sehr kurz und sehr selten. Um das zu ändern, brauchen wir mehr Phantasie, Platz und ein unkonventionelles Recruiting von Neulehrern.«

Und ein weiterer Artikel zum Thema Homeschooling:

Corona-Krise: Lehrer und Schüler scheitern am Fernunterricht: »Die schlechtere technische Ausstattung und die Zurückhaltung vieler Lehrer wirkt sich auf die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler aus. Zwar hat Corona in vielen Schulen die Digitalisierung stark vorangetrieben, gut läuft der digitale Unterricht aber nicht.«

(16.05.2020) Hausaufgaben bis zum Impfstoff: Auch im nächsten Schuljahr gibt es keinen normalen Schulbetrieb, sagt Bildungsministerin Karliczek – und stellt 500 Millionen Euro für Laptops bereit.

Heimunterricht: Über die Hälfte der Schüler ohne Feedback: Fast 60 Prozent der Schüler erhalten kein Feedback ihrer Lehrer. Das ergab eine Umfrage des Elternvereins NRW. Schulministerium: Kontrolle nicht vorgesehen.

(12.05.2020) Schüler und Eltern allein zuhaus: »Homeschooling überfordert viele Familien, wie eine Studie der Universität Marburg zeigt. Vor allem ein Fach macht Probleme.«
„Die meisten haben sehr, sehr wenig Kontakt zu den Lehrern und bekommen wenig Feedback“, berichtet Ivo Züchner. Der Erziehungswissenschaftler leitet die Studie der Philipps-Universität Marburg zum Homeschooling. Befragt werden dort Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 12 nach ihren Erfahrungen mit dem Lernen daheim. Bisher haben rund 300 Kinder und Jugendliche aus Hessen daran teilgenommen, weitere 900 kommen aus Nordrhein-Westfalen.

(11.05.2020) „Ein Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert“: »Die Schulen öffnen wieder, Familien und Lehrer planen die Zeit bis zu den Sommerferien. Bildungsexperten sagen: Der Blick muss viel weiter reichen.«
Und die Universität Magdeburg hat eine Umfrage zum Thema Homeschooling durchgeführt: Homeschooling als familiäre Ausnahmesituation mit Potenzial: »Ob sich Eltern von Grundschulkindern, die wegen der Schulschließungen in den letzten Wochen zu Hause unterrichtet wurden, stark belastet fühlen, hängt von der Unterstützung der Eltern durch die Schulen und ihren eigenen Ressourcen ab.«

(10.05.2020) Die Diskussionen über die Öffnung der Schulen und die ungleichen Auswirkungen des Homeschooling halten an. Dazu ein Interview aus dem Berliner „Tagesspiegel“:
„Alle wieder in die Schule“: Der Bildungsforscher Rolf Strietholt bezweifelt, dass zurückgefallene Schüler mit Homeschooling aufholen können. Sie bräuchten umgehend individuelle Förderung. Alle reden über den Innovationsschub, den die Digitalisierung des Unterrichts in der Corona-Krise erzwungen hat. Der Hamburger Bildungsforscher Rolf Strietholt erinnert in unserem Interview an die „abgehängten“ Schülerinnen und Schüler, die davon bislang nicht profitieren können. Er fordert, die Schulen schnellstmöglich – für alle Kinder und Jugendlichen – wieder zu öffnen.

Aber immer noch eine ganz große Unbekannte ist die hier in der Materialsammlung schon angesprochene Problematik, dass wir relativ wenig wissen hinsichtlich des Risikos durch Kinder und Jugendliche. Hierzu aus der „Ärzte Zeitung“ dieser Artikel: Kinder – die großen Unbekannten der Corona-Pandemie: Über die Rolle von Kindern bei der Ausbreitung des SARS-CoV-2 ist bisher wenig bekannt. Auswirkungen der geplanten Öffnung von Schulen und Kindergärten müssen daher penibel erfasst werden, betonen Wissenschaftler.

(08.05.2020) „Wir sind in einem riesigen Lernprozess“: Die schrittweise Öffnung der Schulen geht voran. Was nach dem Sommer vom digitalen Lernen bleibt, diskutierte Pisa-Papst Schleicher mit Bildungsexpertinnen.

In dem Artikel findet man diese Hinweise auf weitere Artikel zum Thema Homeschooling:

(07.05.2020): Lehrkräfte und Schulen sind engagiert, aber planlos: Konventionelle Aufgaben per Mail, Kontakt nicht zu allen Schülern: Was sich bis zum Sommer beim Fernunterricht ändern muss, zeigen zwei aktuelle Umfragen.

Die in dem Artikel angesprochene neue Studie zum Homeschooling finden Sie hier:

➔ Sonja Heller und Oliver Zügel (2020): „Schule zu Hause“ in Deutschland. Bestandsaufnahme im Corona-Lockdown aus Perspektive der Schüler/-innen und Eltern, Zürich: Accelerom AG, 06.05.2020

(06.05.2020) Eine Umfrage unter Lehrerinnen zeigt: Digitaler Unterricht muss professioneller werden. Denn er bleibt wichtig, selbst wenn die Schulen schrittweise wieder öffnen: Homeschooling: Das Klassenzimmer ist wichtig – die Cloud aber auch. In dem Artikel wird über eine Umfrage berichtet, die Sie hier im Original finden:

➔ Vodafone Stiftung Deutschland (Hrsg.) (2020): Schule auf Distanz. Perspektiven und Empfehlungen für den neuen Schulalltag Eine repräsentative Befragung von Lehrkräften in Deutschland. Eine Befragung des Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland mit Analysen von Prof. Dr. Birgit Eickelmann und PD Dr. Kerstin Drossel, Düsseldorf, 06.05.2020

(04.05.2020) Ich habe Ihnen drei interessante Radio-Beiträge herausgesucht, die zu Ihrem Thema passen – es geht in allen um das Thema Homeschooling. Sie können sich die Beiträge direkt als Audio-Dateien herunterladen, wenn Sie ie Verlinkungen nutzen:

➔ DLF: Homeschooling in der Coronakrise – El-Mafaalani: „Kinder können sehr gefährdet sein, und wir sehen es nicht“(03.05.2020)
Für Kinder aus benachteiligten Milieus sei Schule der Ort gewesen, an dem sie gelernt hätten, sagte der Soziologe Aladin El-Mafaalani im Dlf. Das sei für viele derzeit nicht möglich und führe zu einer stärkeren Benachteiligung. Auch Kindeswohlgefährdungen würden kaum gemeldet, da das meist Lehrkräfte getan hätten.

➔ DLF: Niederlande – Schulen verlieren Kontakt zu über 5.000 Kindern (04.05.2020)
Homeschooling unter dem Wäscheständer, im Bad oder im Schrank – in den Niederlanden sorgen sich die Behörden zunehmend über die Schulbedingungen in sozial schwachen Familien. Von einer ganzen Corona-Generation ist die Rede. Zu vielen Schülern haben die Behörden bereits gänzlich die Anbindung verloren.

➔ Deutschlandfunk Kultur: Homeschooling in der Coronakrise – Wie Schulen das digitale Lernen verbessern können(02.05.2020)
Pandemiebedingt müssen die meisten Schulen gerade geschlossen bleiben, gelehrt wird trotzdem. Doch dabei zeigt sich: Das virtuelle Lernen steckt an deutschen Schulen noch in den Kinderschuhen. Experten mahnen, es müsse jetzt stringent gehandelt werden.

(03.05.2020) Ich habe Ihnen einige neue Berichte einem besonderen Augenmerk auf das Thema Homeschooling zusammengestellt:

➔ Zur Sache Rheinland-Pfalz (SWR-Fernsehen): Rückkehr der Schüler sorgt für Diskussionen (30.04.2020): Nach und nach kehren die Schüler in Rheinland-Pfalz in die Schulen zurück. Bis zu den Sommerferien sollen alle zumindest teilweise wieder Unterricht haben. Doch es gibt Kritik, gerade mit Blick auf die jüngeren Schüler, denn ihnen fällt die Einhaltung der Hygieneregeln schwer ➔ Video

➔ SWR Aktuell Rheinland-Pfalz: Studie: Homeschooling belastet Familien (30.04.2020)
Unter dem Unterricht zu Hause leidet inzwischen in vielen Familien die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Das sagt eine Studie der Uni Koblenz- Landau ➔ Video
In dem Beitrag kommen diese beiden von der Universität Koblenz-Landau zu Wort: Prof. Dr. Anja Wildemann und Prof. Dr. Ingmar Hiosenfeld. Versuchen Sie bitte, die im Beitrag angesprochene Studie zu finden.

„Homeschooling“ belastet die Familien: Erste Ergebnisse einer Studie zeigen, dass viele Eltern die Beziehung zu ihren Kindern durch das „Homeschooling“ belastet sehen. Der Unterricht zuhause wird zudem offenkundig vor allem von den Müttern gestemmt.

➔ BR: Benachteiligt durch Homeschooling: Wie Corona die soziale Ungleichheit fördert (29.04.2020)
Eine alleinerziehende Mutter im Homeoffice, eine Altenpflegerin, die nicht vor 20 Uhr nach Hause kommt und eine Augsburgerin mit Migrationsgeschichte, die das deutsche Schulsystem nur wenig kennt – wie sollen diese Frauen ihrem Anspruch gerecht werden? Wie sollen sie ihre Kinder optimal beim Lernen zu Hause unterstützen? Das Homeschooling wird die Ungleichheit zwischen den Kindern vergrößern, da sind sich viele Expertinnen und Experten einig.

Homeschooling verstärkt Ungerechtigkeit in der Bildung (22.04.2020): Kinder aus Akademiker-Familien haben die besseren Noten. Das war schon vor der Corona-Pandemie so. Darum warnen Lehrer und Bildungsexperten: Für Kindern aus sozial schwächeren Familien könnten die Corona-Krise nun auch noch zur Bildungs-Krise werden.

(29.04.2020) Ich hatte in meinem ersten Blog-Beitrag einige sozialwissenschaftlichen Studien bzw. Studienansätze vorgestellt. Speziell zum Thema dieser Arbeitsgruppe möchte ich Sie auf diesen Versuch hinweisen:

Umfrage zum Heimunterricht: Wie kommen Familien mit Schulschließungen und Kontaktsperren zurecht? Das will das Frankfurter Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation herausfinden. Ziel ist es unter anderem, Hilfen für künftige Situationen dieser Art zu entwickeln. Die Forscher laden Eltern von Schulkindern ein, sich an einer Online-Umfrage unter der Adresse www.soscisurvey.de/paco zu beteiligen. Dort findet sich ein Fragebogen, der jeweils von einem Elternteil beantwortet werden soll. Unter anderem geht es darum, wie das allgemeine Klima in der Familie und das Verhalten der Kinder eingeschätzt wird. Der zweite, für die Mitwirkenden optionale Teil der Untersuchung ist eine Tagebuchstudie. Die Eltern bekommen drei Wochen lang jeden Abend einen Link zu einem kurzen Fragebogen, in dem sie über ihre Erfahrungen mit dem Heimunterricht und ihre Stimmung Auskunft geben sollen. Unter den Teilnehmern der Studie werden drei Tablets und 140 Einkaufsgutscheine verlost.

(29.04.2020) Ich möchte die Arbeitsgruppe auf das folgende, überaus aufschlussreiche Positionspapier des Landeselternausschusses Berlin hinweisen. Schauen Sie sich das mal genauer an:

➔ Landeselternausschuss Berlin bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2020): Positionierung des Landeselternausschusses Schule zu Prüfungen, Fernunterricht und Wiedereröffnung der Schulen in Zeiten von pandemiebedingter Schulschließungen, Berlin, 12. April 2020

Auch hier in Rheinland-Pfalz gibt es eine ähnliche Einrichtung: LandesElternBeirat Rheinland-Pfalz. Mehr Informationen zu der Elternvertretung die Schulen betreffend finden Sie auf dieser Website: www.leb.bildung-rp.de.

(29.04.2020) Das Institut für Arbeitsmarkt. und Berufsforschung hat sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie viel bei den Schüler/innen passiert, die in den letzten Wochen nicht mehr in die Schule gehen konnten: Schulschließungen wegen Corona: Viele Schüler verbringen nur wenig Zeit mit schulischen Aufgaben: Trotz der Bereitstellung von Lehrmaterialen durch die Schulen wenden viele Schüler der Sekundarstufe II nur wenig Zeit für die Schule auf. Zugleich macht sich fast die Hälfte der Befragten Sorgen um ihre schulischen Leistungen. Das zeigen aktuelle Daten aus einer Schülerbefragung während der Schulschließungen.

Das ist natürlich für die Themenstellung der Arbeitsgruppe sehr relevant. Hier die ausführliche Fassung der Erkenntnisse der Auswertung aktueller Daten aus einer bundesweiten Schülerbefragung während der Schulschließung:

➔ Silke Anger et al. (2020): Schulschließungen wegen Corona: Regelmäßiger Kontakt zur Schule kann die schulischen Aktivitäten der Jugendlichen erhöhen, in: IAB-Forum, 23.04.2020

Und wenn wir schon beim Thema Studien sind, dann hier noch dieser Hinweis auf eine Veröffentlichung aus dem arbeitgeberfinanzierten Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln:

➔ Wido Geis-Thöne (2020): Häusliches Umfeld in der Krise: Ein Teil der Kinder braucht mehr Unterstützung. Ergebnisse einer Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). IW-Report 50/2020, Köln: Institut der der deutschen Wirtschaft (IW), 20.04.2020

Der Zusammenfassung kann man entnehmen: »In der Corona-Krise hat das häusliche Lebensumfeld für die Aktivitätsmöglichkeiten und Entwicklungschancen der Kinder in Deutschland stark an Bedeutung gewonnen. Dabei stellt sich die Lage hier in den meisten Fällen gut dar, wie eine eigene Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt. So verfügte im Jahr 2018 mit 80,9 Prozent die weit überwiegende Mehrheit der Familien mit Kindern im Alter unter 16 Jahren über mindestens ein und mit 51,0 Prozent über die Hälfte sogar über mehr als ein Zimmer (ohne Bad, Küche usw.) je Haushaltsmitglied. Einen eigenen Garten oder Zugang dazu hatten mit 66,3 Prozent rund zwei Drittel. Auch das häusliche Lernumfeld, das im Kontext des Homeschoolings deutlich an Bedeutung gewonnen hat, ist in den meisten Fällen gut. 90,0 Prozent der Zwölfjährigen hatten im Jahr 2018 einen eigenen Schreibtisch und 89,6 Prozent Zugang zu einem Laptop oder PC. Allerdings stellt sich die Lage bei den Kindern aus bildungsfernen Familien, Familien im ALGII-Bezug und Familien mit Migrationshintergrund in beiden Fällen ungünstiger dar.
Problematischer ist das soziale Umfeld der Kinder zu Hause. Mit 62,2 Prozent hatten im Jahr 2018 fast zwei Drittel der Zwölfjährigen oft oder sehr oft Streit mit einem anderen Angehörigen der Kernfamilie. Dabei handelt es sich zwar meist um Geschwister, jedoch streitet mit 24,1 Prozent auch ein substanzieller Teil der Kinder regelmäßig mit den Eltern. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Beziehungen in den Kernfamilien per se schlecht wären. So geben mit 95,5 Prozent fast alle Zwölfjährigen an, hier oft oder sehr oft Unterstützung und Hilfe bei den Dingen zu erhalten, die ihnen wichtig sind. Dennoch sollten die Schulen und Kitas insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Doppelbelastung aus Homeoffice und Betreuung schnell zu einer Überforderung der Eltern führen kann, möglich schnell wieder geöffnet werden … Müssen dabei aus epidemiologischer Sicht Beschränkungen des Alltags der Familien bestehen bleiben, sollte die kleine Gruppe der Kinder mit sehr ungünstigen häuslichen Lebensverhältnissen bei der Gestaltung von Exitstrategien eine Sonderbehandlung erhalten. Auch sollten die Kinder, bei denen die häuslichen Gegebenheiten das Homeschooling behindern, nach der Wiederöffnung der Schulen eine intensive Zusatzförderung erhalten, um die entstandenen Lücken schließen.«

Wie heißt es so schön im Volksmund? Alle guten Dinge sind drei. Also noch eine Studie:

➔ Mathias Huebener und Laura Schmitz (2020): Corona-Schulschließungen: Verlieren leistungsschwächere SchülerInnen den Anschluss? DIW aktuell Nr. 30, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 6. April 2020
»Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu begrenzen, wurden ab März deutschlandweit die Schulen geschlossen. Seitdem sollen die SchülerInnen überwiegend zu Hause lernen – in welcher Form genau, wird von Schule zu Schule sehr unterschiedlich gehandhabt. Diese Analyse zeigt, dass sich Schulkinder je nach Leistungsniveau signifikant in der schulischen Motivation, den häuslichen Bedingungen und in den Unterstützungsmöglichkeiten durch die Eltern unterscheiden. Da es auf diese Faktoren für den Lernerfolg in der derzeitigen Situation stärker denn je ankommt, drohen Bildungsungleichheiten und Leistungsunterschiede noch zuzunehmen. Etwa, wenn leistungsschwächere SchülerInnen weniger motiviert sind und schlechtere häusliche Lernbedingungen vorfinden. Auch vor dem Hintergrund bevorstehender, wichtiger Übergänge von SchülerInnen an weiterführende Schulen sollten daher dringend Angebote geschaffen werden, die es allen Kindern ermöglichen, zuhause effektiv lernen und individuelle Unterstützung beim Aufholen erhalten zu können. Das gilt auch für die Zeit, wenn die Schulen wieder geöffnet haben und regulärer Unterricht stattfindet.«

(28.04.2020) Nun also steht die Ankündigung im Raum, dass die Schulen wieder schrittweise geöffnet werden und der Druck, dass auch die Kitas wieder die Türen aufmachen, steigt in der öffentlichen Diskussion – dabei sind grundlegende Fragen über möglicherweise damit verbundene Risiken derzeit nicht beantwortbar. Beispielsweise die, ob Kinder und Jugendliche nun gar nicht, weniger oder doch vielleicht genau so von den Infektionen betroffen sind wie die Erwachsenen. Gestritten wird darüber, ob die Kinder und Jugendlichen seltener bzw. kaum erkranken und noch seltener schwere Krankheitsverläufe zeigen – oder ob es doch anders ist. Vgl. dazu beispielsweise den Hinweis von Julia Köppe in ihrem Artikel Kita-Öffnung – eine riskante Rechnung mit drei Unbekannten: »In Deutschland wurden in den vergangenen fünf Wochen mindestens hundert Kinder im Krankenhaus behandelt, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Das zeigt ein vor Kurzem eingerichtetes Online-Meldesystem der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Die gut 350 Kinderkliniken in Deutschland sind jedoch nicht verpflichtet, Corona-Fälle an das Register zu melden. Die wahre Zahl dürfte deshalb höher liegen.« Und weiter erfahren wir: »Laut Robert Koch-Institut (RKI) haben sich nachweislich 3.904 Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht etwa drei Prozent aller bekannter Fälle. Wie viele davon schwer erkrankten, geht aus der Statistik nicht hervor.«
Und da die Kitas und Schulen bislang bis auf Notgruppen geschlossen waren/sind, stellt sich für viele Eltern ein Betreuungsproblem – zu Normalzeiten würden oft Großeltern einspringen. Aber: »Experten sind sich einig, dass die Betreuung durch die Großeltern die denkbar schlechteste Alternative zur Kita-Betreuung ist, da gerade ältere Menschen oft schwer an Covid-19 erkranken. Doch sind Kinder tatsächlich Corona-Schleudern? Das ist bislang nicht belegt … Von anderen Infektionskrankheiten ist allerdings bekannt: Kinder treiben Ansteckungswellen an. Das RKI hält es für plausibel, dass sie auch bei der Corona-Pandemie eine Rolle spielen. Schließlich ist das Virus leicht übertragbar, selbst wenn noch keine Symptome auftreten.«
Auch Julia Merlot stellt in ihrem Artikel Rätsel um die Kleinsten die große Frage: »Eltern sind mit ihren Nerven am Ende und fordern, Kitas, Kindergärten und Grundschulen endlich wieder zu öffnen. Doch welche Rolle spielen Kinder in der Corona-Pandemie eigentlich?« Der allen mittlerweile bekannte Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin beschrieb die Situation zuletzt als „so langsam nicht mehr erträglich“. Es müssten dringend valide Daten her. Man fragt sich an dieser Stelle natürlich schon, warum da nicht schon längst größere Studien aufgesetzt worden sind.
Mittlerweile tut sich was: »Baden-Württemberg hat nun mehrere Unikliniken beauftragt, Corona-Infektionen bei Kindern unter zehn Jahren zu untersuchen. 2000 Eltern-Kind-Paare sollen unter Federführung der Uniklinik Heidelberg auf eine Infektion und Antikörper getestet werden. So wollen die Forscher unter anderem prüfen, ob sich Kinder so leicht infizieren wie Erwachsene. Bislang ist die Datenlage dazu widersprüchlich.«
Auch Claudia Henzler berichtet darüber in ihrem Artikel „Studie mit 2000 Kindern“, der in der Süddeutschen Zeitung vom 27.04.2020 veröffentlicht wurde: »Wie infektiös Kinder sind, ist noch wenig untersucht. Eine isländischen Studie legt nahe, dass sich Kinder unter zehn Jahren weit weniger häufig mit dem Coronavirus infizieren als Erwachsene. Daten aus China weisen hingegen darauf hin, dass sie ähnlich häufig infiziert werden, aber sehr viel seltener erkranken als Erwachsene.« Und hier nun soll die geplante Studie weiterhelfen: »In Baden-Württemberg sollen insgesamt 2000 gesunde Kinder im Alter von eins bis zehn auf das Virus und Antikörper untersucht werden, sowie jeweils ein Elternteil. Von besonderem Interesse sind Kinder, die in der Notbetreuung waren, also auch soziale Kontakte über die Kernfamilie hinaus hatten. In Ulm werden derzeit noch Teilnehmer gesucht. „Wir wollen auch sehen, ob die Notbetreuung gegebenenfalls einen Einfluss auf die Infektionsrate hat“, erklärt Professor Klaus-Michael Debatin von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Ulm.«