Zwei Jahre Corona – aus und vorbei?

Wir haben heute in der Veranstaltung darüber diskutiert, was die Corona-Pandemie in bestimmten Bereichen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft bedeutet (hat?). Keine Frage, man kann in diesen Tagen durchaus das Gefühl bekommen, dass nun aber endlich alles vorbei ist mit diesem Corona, dass wir wieder leben können wie vor dem März 2020, als das Virus über und gekommen ist.

Das ist auf der einen Seite die Zeit der Bestandsaufnahmen. Der Rückblick ist wichtig. Und dazu gibt es nicht nur Studien, sondern auch Reportagen im Rundfunk und Dokus im Fernsehen, die dem einen oder anderen vielleicht einen besseren, auf alle Fälle einen anderen Zugang ermöglicht als abstrakte und zahlengesättigte Studien.

Beispielsweise diese Sendung des Deutschlandfunks:

➔ Deutschlandfunk: Nach zwei Jahren Pandemie – Was bleibt? (21.05.2022)
Die Corona-Pandemie hat alle Bereiche der Gesellschaft gründlich durcheinandergebracht, das Arbeitsleben, Schulen und Universitäten, dass Miteinander der Menschen. Beschäftigte gingen – wenn sie Glück hatten und den Job behielten – ins Homeoffice, Studierende tauschten den Hörsaal gegen ihr WG-Zimmer, selbst Sternerestaurants boten Menüs für zu Hause an und wer feiern wollte, machte den Stadtpark zum Nachtclub. Ist das alles nach Beendigung der meisten Corona-Schutzmaßnahmen wieder vorbei oder bleibt uns etwas davon erhalten?

Und dass die Pandemie das Erwerbsleben für einige massiv verändert hat, muss man nicht wirklich betonen. Teilweise war jeder dritte Arbeitnehmer im Homeoffice. Allerdings gab es auch Millionen Beschäftigte, die gar nicht die Möglichkeit dazu hatten und haben, weil sie nicht von zu Hause arbeiten können). Und das sind oftmals Berufe und Tätigkeiten, die einkommensmäßig eher im unteren Bereich angesiedelt sind. Auch hier stellt sich die Frage, was denn „nach“ Corona bleibt oder was nur ein krisenbedingte Ausweichmaßnahme war, die dann wieder zurückgefahren wird. Damit beschäftigt sich dieser Radio-Beitrag des Saarländischen Rundfunks (SR):

➔ SR: Anders Arbeiten. Wie die Pandemie die Arbeitswelt verändert hat (30.04.2022)
Homeoffice, Kurzarbeit oder Jobverlust- mit Beginn der Corona-Pandemie hat sich für Viele der Arbeitsalltag verändert. Wie haben Beschäftigte diese Zeit erlebt? Und was ist davon nach zwei Jahren geblieben?

Ich hatte es heute im Seminar kurz angesprochen – möglicherweise bleibt etwas lange erhalten und wird sich möglicherweise zu einer ganz erheblichen Belastung für die Betroffenen wie aber auch für die Gesellschaft auswachsen: Long COVID.

➞ Vgl. zum Thema Long-COVID bzw. Post-COVID diese Seite des Robert Koch-Instituts (RKI): Gesundheitliche Langzeitfolgen. Darin findet man diese Beschreibung: »Im Zusammenhang mit einer vorangegangenen SARS-CoV-2-Infektion sind zahlreiche mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen beobachtet worden. Hierzu zählt eine Vielfalt körperlicher, kognitiver und psychischer Symptome, welche die Funktionsfähigkeit im Alltag und Lebensqualität negativ beeinflussen. Die Beeinträchtigungen treten entweder bereits in der akuten Erkrankungsphase auf und bleiben längerfristig bestehen, oder sie treten im Verlauf von Wochen und Monaten nach der Infektion (wieder) auf. Dabei wird über sehr unterschiedliche Symptome berichtet, die allein oder auch in Kombination auftreten und von sehr unterschiedlicher Dauer sein können. Bislang lässt sich daher kein einheitliches Krankheitsbild abgrenzen. Zudem sind die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht geklärt, wobei Erkenntnisse hierzu dank intensiver Forschung fortlaufend hinzukommen. So gibt es mittlerweile u. a. Hinweise darauf, dass chronische Entzündungen und Verschlüsse der kleinen Gefäße (Mikrothromben), eine Aktivierung des Epstein-Barr-Virus sowie Autoimmunprozesse an der Entstehung gesundheitlicher Langzeitfolgen beteiligt sind. Personen mit längerfristigen gesundheitlichen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion sind in der Regel nicht ansteckend – es sei denn, es liegt erneut eine akute Infektion mit dem Virus bzw. einer der Virusvarianten vor (Reinfektion).
Der Begriff „Long-COVID“ wurde zunächst den in sozialen Medien durch Personen geprägt, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion über langanhaltende gesundheitliche Einschränkungen berichteten. Die bereits Ende 2020 veröffentlichte Leitlinienempfehlung des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) definiert „Long-COVID“ als gesundheitliche Beschwerden, die jenseits der akuten Krankheitsphase einer SARS-CoV-2-Infektion von 4 Wochen fortbestehen oder auch neu auftreten. Als Post-COVID-Syndrom werden Beschwerden bezeichnet, die noch mehr als 12 Wochen nach Beginn der SARS-CoV-2-Infektion vorhanden sind und nicht anderweitig erklärt werden können. Somit umfasst „Long-COVID“ sowohl im Anschluss an eine akute COVID-19-Erkrankung 4 bis 12 Wochen nach Symptombeginn noch bestehende Symptome als auch das „Post-COVID-19-Syndrom“. Auch die deutsche S1-Leitlinie zu Post-COVID/Long-COVID der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) nimmt eine zeitliche Abgrenzung in Anlehnung an NICE vor, benennt jedoch als weitere mögliche Manifestation von Long-COVID/Post-COVID auch die Verschlechterung vorbestehender Grunderkrankungen.
Im Oktober 2021 wurde nach einem wissenschaftlich fundierten Abstimmungsprozess eine vorläufige klinische Falldefinition von Post-COVID-19 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht. Gemäß dieser Definition werden unter dem Begriff Post-COVID-19-Zustand gesundheitliche Beschwerden zusammengefasst, die in längerem Abstand (in der Regel drei Monate) im Anschluss an eine durchgemachte SARS-CoV-2 Infektion über längere Zeit fortbestehen und anderweitig nicht erklärbar sind. Dabei werden Symptome und gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigt, die über mindestens zwei Monate anhalten oder auch wiederkehrend und in wechselnder Stärke auftreten. Da nach bisherigen Erkenntnissen auch milde oder gar symptomlose Verläufe einer SARS-CoV-2-Infektion mit entsprechenden Langzeitfolgen einhergehen können und gerade zu Anfang der Pandemie noch kein breites Testangebot verfügbar war, bezieht sich die klinische Falldefinition der WHO sowohl auf Personen mit Labornachweis einer SARS-CoV-2-Infektion, als auch auf Personen, für die eine Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus aufgrund von Krankheitssymptomen oder auch engen Kontakten zu nachweislich Infizierten als wahrscheinlich angesehen werden kann. Die WHO weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich weiterhin um eine vorläufige Falldefinition handelt, die in Anpassung an neue wissenschaftliche Erkenntnisse fortlaufend aktualisiert werden muss. Darüber hinaus ist laut WHO aufgrund der eingeschränkten Datenlage noch unklar, inwieweit die vorgelegte Falldefinition auch auf Kinder und Jugendliche übertragbar ist.«

Das Thema wird zunehmend auch von den Medien aufgegriffen. Hier eine Fernseh-Reportage, in der das nicht nur bebildert wird:

➔ 3sat: Genesen – nicht gesund: Corona und die Langzeitfolgen (20.05.2022)
Das größte Rätsel nach einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus sind die Langzeitfolgen. Untersuchungen für Deutschland gehen davon aus, dass jeder zehnte Patient betroffen ist. Sie gelten als genesen, sind aber noch lange nicht gesund. Internationale Studien sprechen sogar von 30 Prozent. Die Betroffenen leiden auch sechs Monate später unter Atemnot, chronischer Müdigkeit und psychischen Problemen.